Reisebericht Kanada / USA
01. - 28.11.10 Monument Valley - San Francisco
Grand Canyon National Park
Wir stehen am Desert View Watchtower und blicken über die Canyon- Landschaft. Seine Grösse und seine Schönheit lassen uns klein erscheinen. Seine Zeitlosigkeit steht im Kontrast zu unserem kurzlebigen Dasein. Der Panoramablick lässt uns verstummen. Wir versuchen das gewaltige Canyonlabyrinth irgendwie zu erfassen und zu begreifen. Die vom Colorado River geschaffene Schluchtenlandschaft zählt zu den eindruckvollsten und grössten Naturwundern der Welt. Die Farbpalette der Felsformationen reicht von gelb-orange-rot, bis blau-grau-weiss. Sie sind das Ergebnis von 15 verschiedenen Gesteinsschichten die übereinander liegen.
Wir stehen am South Rim, der das ganze Jahr geöffnet ist. Es ist Ende Oktober und der Andrang an Besuchern hält sich in Grenzen. Etwa 4,5 Millionen Besucher kommen jährlich in den National Park und in der Hochsaison ist er überfüllt. Der South Rim liegt durchschnittlich 2300 m hoch. Der Colorado River sucht sich seinen Weg 1500 m tiefer. Mit dem Grand Canyon Plan in der Hand versuchen wir uns einen Überblick zu verschaffen. Rund um den Market Plaza und dem Bahnhof gibt es ein kleines Strassenlabyrinth. Kurz vor 18 Uhr erhalten wir noch einen Platz auf dem Mather Campground. 
Es wird schnell dunkel und die Kälte am Abend verlangt nach einer Heizung. Die Nacht zuvor, etwas ausserhalb des Parks, erlebten wir die tiefesten Temperaturen auf unserer bisherigen Reise. Als uns die Sonne am Morgen begrüsste, zeigte das Thermometer minus 6,5 Grad. Im "Wohnraum" hatten wir angenehme 3,5 Grad. Wir krochen unter dem Duvet hervor und nahmen unsere Heizung in Betrieb. Kurz darauf, beim Frühstück zeigte das Thermometer dann 18 Grad an. 
Heute nehmen wir den Shuttlebus und fahren zum Hermits Rest. Von dort führt ein 13 km langer Wanderweg direkt am Rand des Canyons entlang zurück nach Grand Canyon Village. Der Blick vom schmalen Weg in die Tiefe ist einmalig. Nur wenige Besucher sind zu Fuss unterwegs. Wir nehmen uns Zeit die Canyonlandschaft anzuschauen. Die stufenförmigen Terrassen und die zerklüfteten Felseninseln bieten einen besonderen Reiz. Nur an wenigen Stellen ist der Blick frei auf den Colorado River. Die Temperatur tagsüber ist angenehm und wir geniessen die herbstlichen Sonnenstrahlen. 
Eine kleine Tour in den Abgrund unternahmen wir am dritten Tag. Auf dem Bright Angel Trail geht es Richtung Indian Gardens. Nach gut zwei Stunden sind wir 600 m tiefer. Unterwegs begegnen uns schwer bepackte Berggänger. Sie haben unten übernachtet und sind jetzt im Schlussspurt. Mehrere Tafeln weisen darauf hin, dass man auf keinen Fall den Auf- und Abstieg in einem Tag machen soll. (1500 Höhenmeter ein Weg) Die Gefahr, dass man unterwegs die "Schraube" macht, ist zu gross. Unser Aufstieg dauerte dann drei Stunden und wir hatten eine kleine Vorstellung, wenn man den ganzen Trip macht. 
Wandert man bis zum Fluss hinunter, durchreist man fünf Klimazonen und erlebt fast zwei Milliarden Jahre Erdgeschichte. Uns reicht die fünfstündige Schnuppertour in die Tiefe. Unter der Dusche schwemmten wir den Schweiss weg. Mit einem kleinen Campfeuer beendeten wir unseren dritten Abend im Grand Canyon National Park.
Ein paar Meilen auf der Route 66
Nach Ash Fork bogen wir auf die alte Strasse. Die Historic Route 66 ist gross beschildert. Nur gerade ein paar Fahrzeuge begegnen uns auf der Strecke Richtung Seligman. Dafür herrrscht auf der parallel verlaufenden Interstate 40 Betrieb. In Seligman finden wir noch ein paar Überbleibsel aus der guten alten Zeit. Die filmreife Kulisse einer alten Westernstadt, das nachgebaute Gefängnis mit dem vergitterten Gefängniswagen oder ein paar Rost-Resten von Oldtimern weisen auf vergangene Zeiten hin.
Wir erinnern uns zurück. Wir waren noch jung als die verschiedenen Roadmovies in den Kinos über die Leinwand flimmerten, wie "Easy Rider". Die legendäre Strasse von damals... gab es doch Namen wie "Main Street of America" und "Mother Road". Von der grenzenlosen Freihheit und vom "America Dream" war die Rede. Nun sind wir auf dieser Route ein Stück unterwegs und ebenfalls ein bisschen Älter geworden. Der Glanz der alten Hauptstrasse ist verblasst und unsere Haare sind grau geworden. Wenn man hier unterwegs ist, denkt man an die 1950er- oder 60er-Jahre zurück. Worin besteht der Reiz der Route 66? Wir glauben, diese Strecke hat etwas mit Romantik und Nostalgie zu tun. Ja, früher verdienten die Menschen, die an der Strasse lebten, ihr Geld mit der Route 66. Und heute?
Hoover Dam
Der Betonbogen überspannt das enge Tal. Beidseitig stehen zahlreiche Strommasten. Ein gewaltiges Bauwerk erstellt von 1931-35. Nach einer Sicherheitskontrolle fahren wir über die Staumauer und parkieren unser Fahrzeug. Zu Fuss kehren wir zum Damm zurück und sind erstaunt über die riesigen Dimensionen. Die 223 m hohe Staumauer ist immer noch eine Touristenattraktion. Wir stehen mitten auf der Dammkrone und blicken auf den Lake Mead. Der Stausee hat eine beachtliche Länge von 177 km. Mitten im heissen Wüstenklima ein wichtiges Wasserreservoir für die Spielerstadt Las Vegas. 
Der Wasserspiegel liegt tief. An den felsigen Ufern erkennt man den einstigen Höchststand. Beidseits des Dammes schauen wir auf die grossen Überlaufbauten. Sie liegen schon lange im Trockenen. Über den Damm fahren nur noch die Besucher der Staumauer. Die im Oktober 2010 eröffnete Brücke über den Colorado River zieht ebenso Besucher an. Nach fünfjähriger Bauzeit ist die elegante Brücke gerade eröffnet worden. Fast zierlich schwingt sich der grosse Brückenbogen über das Tal.
Las Vegas - und die grenzenlose Fantasie!
Nach Monaten in der Natur fahren wir mitten in die pulsierende Stadt. Es herrscht Hochbetrieb. Unser Hotel buchten wir vor drei Tagen im Internet. Wir wollten vier Nächte Las Vegas live erleben und fanden ein gutes Angebot. Mitten im Zentrum am Strip, nur zwei Häuerblocks vom "Bellagio" entfernt, wurden wir fündig. (siehe Bildergalerie) Wie man in der Spielerstadt viel Geld liegen lässt, wussten wir. Dass man aber auch richtig günstig mitten im "Kuchen" im Hotel übernachten kann, wussten wir noch nicht. Die 4 Übernachtungen im rund 40 m2 grossen Zimmer mit Bad / WC, TV, Internet, Parkplatz für den Camper, mit kleinem Schwimmbad unter Palmen, inklusive Frühstück und aller Taxen für 168 Dollar. Macht pro Nacht 42 Dollar alles inklusive für zwei Personen!
Da konnte ich meine Randbemerkung zu Regine nicht mehr zurückhalten und sagte: "Vor vielen Jahren zahlten wir doch im Tessin auf dem Campingplatz mit fast gleicher Parzellengrösse wie unser Zimmer ja schon mehr pro Nacht!" Nun ja, Las Vegas ist natürlich auch nicht im Tessin!
Ein besonderes Geschenk bot uns die verrückte Stadt gratis. Ende Oktober war Halloween-Night. Auf unserem ersten Spaziergang entlang dem berühmten Strip begegneten uns zahlreiche Halloween-Gestalten, die an Einfallsreichtum nichts zu wünschen übrig liessen. Wir besuchten die bekannten Hotel- und Casino-Anlagen. Die aufwändige Architektur und die besonderen Konstruktionen, wie zum Beispiel die Rolltreppe, die kreisförmig nach oben führt, begeisterte uns. 
In den Casinos rollte der Dollar über die Spieltische, meist zu gunsten der Casinobetreiber. Der Blick auf die Spieltische, wo die Glücksspieler oft innert Minuten um ein paar Hundert Dollar erleichtert wurden, war für uns etwas gewöhnungsbedürftig. Aber der Rubel rollt! Wir durchqueren die fantasievollen, riesigen Spielhallen und bleiben da und dort an den Spieltischen stehen. Die Hintergrundmusik und der konstante Geräuschpegel machen die Spieler immun gegen Verluste. Zum Glück sind wir keine ausgeprägten Spielernaturen, sonst müssten wir unsere Langzeitreise hier beenden und den Camper verkaufen. 
Allein schon der Nervenkitzel beim Zuschauen genügte uns. Während die Chiptürme bei einem Spieler laufend höher wurden, nahmen andere ab bis auf den Grund. Sofort flatterten wieder grosse Dollarscheine über den Spieltisch. Gewinnen oder verlieren lautet das Motto. Täglich das Glück herausfordern und wissen, dass man am Schluss meist doch mit weniger Geld in der Tasche das Casino verlässt. Ja, es gibt auch Ausnahmen! Gestern Abend schauten wir einem Spieler längere Zeit zu. Er hatte innert wenigen Minuten mehrere grosse Chiptürme ins Leere gesetzt. Seine Miene wurde immer ernster. Zum Glück kam rechtzeitig das kühle Getränk an den Spieltisch, serviert von einer hübschen Schönheit in leichter Kleidung. Kurz darauf stand er auf und verliess den Spieltisch. Der Geldautomat stand fast in Griffnähe. Als er zurück kam, knallte er zwei Hundert Dollarscheine auf den Spieltisch und der Croupier schob ihm einen neuen Stapel Chips an seinen Platz. Vielleicht hat er diesmal mehr Glück, dachten wir und gingen zum nächsten Spieltisch. 
Auf dem Rückweg zu unserem Hotel kamen wir an einem Casino vorbei, wo die Slotmaschinen in einer Reihe auf dem Trottoir standen. Eine laute Musik schepperte aus den Lautsprechern. Regine tippte auf die Tasten, die Bildräder drehten sich und stoppten: "You are level 5" meldete die Glücksmaschine. Regine hatte eine gute Reaktion und die Bildanzeige zeigte dreimal drei Bananen! Sie tippte weiter auf den Tasten herum, es klingelte, tönte, rauschte und als sie später den Glückskasten verliess, drückte ihr der Boy am Eingang einen 50 Dollar Gutschein in die Hand, der sie zum Spielen im Casino berechtigt. Walters Sprüche kamen prompt: "Wechseln wir jetzt in ein fünf Sterne Hotel," neckte ich sie. "Morgen werde ich diesen Gutschein einlösen und dann werden wir sehen," sagte sie zuversichtlich.
Verschiedene Aktivitäten vor den grossen Casinos locken die Besucher an. Das Wasserballet mit klassischer Musik vor dem Bellagio, das Piratenschiff und seine Schatzinsel vor dem Treasure Island und der Vulkanausbruch vor dem Casino The Mirage und wer noch nicht genug hat, geht auf die Achterbahn und umrundet gleich den Komplex New York-New York. Um seine Ruhe wieder zu finden, setzt sich in die Gondel und gleitet auf den Kanälen des Venetian unter der Rialtobrücke hindurch in einen stilechten italienischen Palazzo hinein. Jetzt ist man in der richtigen Stimmung, um das grosse Glücksspiel herauszufordern. 
Ja, wenn die Trottoirs mitten durch die grossen Casinohallen führen, suchen wir verzweifelt das kleine Schild "Exit". Die Stadt braucht wenig Schlaf, nur in den frühen Morgenstunden ruht sie ein wenig. Die fortwährende Berieselung durch Musik und Töne aller Art in den Casinos, auf den Strassen, beim Einkaufen und Essen wirkt auf uns doch störend. Aber für eine Stadt die niemals ruht, ist das der Alltag. Auch heute sitzt der Bettler auf der Brücke an seinem Stammplatz. Er sortiert gerade seine verschiedenen Kartonschilder und stellt das "Dollar-Plakat" vor seine Füsse. Gestern Abend hatte er das Bier-Plakat ausgelegt. Fantasie ist auch hier gefragt. 
Regines 50 Dollar Gutschein war schnell in Luft aufgelöst, respektiv in der Slotmaschine verfüttert. Immerhin konnte sie 20 Minuten gratis die Tasten drücken... aber für einen Gratisdrink von den hübschen Girls reichte es nicht. Stammspieler sehen halt doch wirklich anders aus! Las Vegas, eine Stadt mit eigenem Charakter. Man muss sie besucht, gefühlt, gehört und erlebt haben. Kaum eine andere Stadt bietet soviel Aussergewöhnliches und Verrücktes! Würden alle Touristen in Las Vegas soviel Geld ausgeben wie wir in den letzten vier Tagen, so wäre die Stadt schon lange eine ausgestorbene, alte "Ghost-Town".

Death Valley National Park - 7 Tage im Tal des Todes!
Wir haben richtig geplant. In der ersten Hälfte November sind die Temperaturen angenehm warm und in der Nacht kühlt es ab. Zwar ist das Death Valley für die meisten Besucher nur mit einer oder mehreren Klima- Anlagen vorstellbar. Zur Zeit geniessen wir herrliche 25-30 Grad und brauchen wirklich keine Aircondition. Wir fahren vom Südosten über Shoshone in den Park und überqueren den Jubilee Pass 1290 Meter. Gegen Abend erreichen wir das Badwater Basin, das 86 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Das Tal des Todes wirkt auf uns wie eine spektakuläre Show. Wir sehen vom Wind und Wasser geformte Canyons, Sanddünen, Felsen- und Gebirgsformationen von einer gewaltigen Farbenpracht. 
Die untergehende Sonne beleuchtet das Valley auf der Ostseite und die fantastische Hügellandschaft zwingt uns immer wieder zum Aussteigen. Warum ist der Sonnenuntergang immer so kurz, jetzt wo es die schönsten Fotos gibt? Gegen 19 Uhr erreichen wir den Sunset Campground beim Furnace Creek bei völliger Dunkelheit. Mitten im Campground sitzen etwa 200 Personen in einem Halbkreis und lauschen der Country-Musik. 11 Musiker bieten feine Unterhaltung mit leisen Klängen die mit Gesang begleitet werden. Feine Töne mitten in der Wüste! Gegen 20.30 Uhr verstummen die Klänge. Die Besucher nehmen ihre Campingstühle unter den Arm und ziehen sich zurück in ihr Reisemobil oder Wohnwagen. Dann herrscht absolute Ruhe. Kaum ein Licht, keinen Laut mehr. Ruhe und schwarze, dunkle Nacht und ein Sternenhimmel, der kaum zu überbieten ist, liegt über dem Tal des Todes. 
Am nächsten Tag erhalten wir die Parkunterlagen im Visitor Center. Als wir zum Auto zurück kehrten sahen uns Erika und Peter, Schweizer, die in St. George, Utah, wohnen. Ihren Sohn Martin, der in München wohnt, haben wir in der Nähe von Hanksville vor ca. einem Monat getroffen. Er meinte, wir sollen doch seine Eltern in St. George besuchen, die freuen sich über Besuche aus der Schweiz. Wir tauschten die Adressen und verabschiedeten uns. Martin war auf Ferienreise und besuchte seine Eltern in St. George. Er berichtete ihnen von unserer Begegnung und dass wir mit dem eigenen Camper aus der Schweiz unterwegs sind. 
Und jetzt erkennen Martins Eltern uns im Death Valley. Kaum zum Glauben! "Das isch ja unglaublich," meinte Erika nach unserer Begrüssung. "Unser Sohn hat von euch erzählt und ist begeistert von eurer grossen Reise," fügte sie hinzu. "Und jetzt treffen wir euch hier im Death Valley!" Ja, die Welt ist oft sehr klein. Wir dürfen dreimal am Abend in ihrem schönen und grossen Reisemobil zu Gast sein mitten in der Wüste. Von Peter und Erika erfahren wir viel Wissenswertes über das Land, ihre Bewohner und das Leben hier in Utah. Sie verwöhnen uns mit gutem Wein und vielen interessanten Tipps zum Reisen. Peter spielt Gitarre und hat abends Auftritte mit anderen Musikern auf dem Campground. Auch am dritten Abend in ihrem tollen Reisemobil geht uns der Gesprächsstoff nicht aus. Wir dürfen sie im nächsten Jahr in St. George besuchen. Sie wollen uns noch ein paar tolle Orte in ihrer Umgebung zeigen. Wir freuen uns darauf. Herzlichen Dank für die grossartige Gastfreundschaft und die schönen Stunden mit euch zusammen!
Was macht man 7 Tage im Tal des Todes?
Diese schöne Wüste hat ihre Ausmasse. Die 13'628 km2, knapp ein Drittel so gross wie die Schweiz, benötigen Zeit, will man auch noch zu Fuss unterwegs sein. Im Badwater Basin, -86 m unter dem Meeresspiegel, wandern wir sehr weit auf den Salzsse hinaus. Tausende von grossen und kleinen Flächen, alle wie in einem kurvenreichen Bilderrahmen eingefasst, faszinieren uns. Die Stille, ausser unseren Schritten auf dem Salz, lädt ein zum Nachdenken und in sich gehen. Wir versuchen das Salzlabyrinth zu erfassen, zu begreifen, zu verstehen. Die Natur hat oft eine eigenwillige Formgebung. Wir staunen und schweigen, blicken in die weisse Landschaft und erfreuen uns. 
In der Nähe präsentiert sich der Devils Golf Course. Hier besteht die Salzkrustenoberfläche aus scharfen, harten Kristallspitzen. Der Artist Drive führt uns in eine farbige Felsenlandschaft und Canyons, wo wir die Kameras kaum zum Schweigen bringen. Die Nachmittagssonne scheint auf eine Malerfarbpalette vom Feinsten. Farben und Formen erstrahlen wie in einem Feuerwerk. Hier blicken wir in die grossartige Farben- und Gesteinswelt. Der Farbenreichtum wird durch Oxidation verschiedener Metalle verursacht, die in den Felsen vorkommen. Unsere Augen entdecken immer wieder neue Farbnuancen, feine Abstufungen wie von Künstlerhand geschaffen. 
Der Racetrack war für uns eine Tagestour. Wir übernachteten auf dem Mesquite Spring Campground im Norden des Parks. Der Ranger im Visitor Center meinte, dies sei keine Road für uns und unser Fahrzeug. Auf der Karte steht der Vermerk: Sharp rock, requires heavy-duty tires! Wir versuchen es im Geländegang und sind entsprechend vorsichtig unterwegs. Für die rund 45 km bis zum Racetrack Valley brauchten wir fast drei Stunden. Nicht wegen dem Strassenzustand, nein, die vielen Fotostopps in dem schönen Tal brauchten ihre Zeit. Bei der Teakettle Junction wussten wir, dass wir es schaffen werden. Noch hatten wir 11 km vor uns und aus der Ferne sahen wir bereits den ausgetrockneten grossen See.
Moving Rocks!
Ein Naturschauspiel das schwer zu begreifen und zu erklären ist zog uns in den nächsten Stunden in den Bann. Wir wanderten quer über den harten Boden des ausgetrockneten Sees und treffen an verschiedenen Orten auf grosse und kleine Steine. Die Meisten hinterlassen eine Spur besonderer Art. Wir haben gelesen, dass die Felsbrocken sich auf myteriöse Weise auf dem Sand bewegen und Spuren hinterlassen. Die Gesteinsbrocken sind weit verstreut und zeigen deutlich ihre Spuren auf dem harten Sandboden.
Die grossen Steine brechen aus den steilen Felsenwänden aus und rollen auf den trockenen Sandgrund. Am Seerand entdecken wir entsprechend viele Steine die noch keine Spuren im Sandboden aufweisen. Wir fragen uns, wie "wandern" diese Steine grosse Strecken auf dem Sand? Ihre Bewegungsspur ist sehr gut und deutlich auf dem Boden zu erkennen. Das grelle Sonnenlicht erschwert das Fotografieren. 
Eine Theorie besagt, dass gelegentlich nachts der Sand durch Regen rutschig wird und starke Winde die Gesteinsbrocken über den Sand treiben. Wir sind fasziniert vom aussergewöhnlichen Naturschauspiel in dieser unberührten Landschaft. Gerade rechtzeitig erreichen wir bei Sonnenuntergang den Campground und kurz darauf herrscht dunkle, sternenklare Wüstennacht über uns. 
Zweimal besuchen wir die grossen Mesquite Sand Dunes. Sie liegen im nördlichen Teil des Tales. Nur wenige Besucher sind hier unterwegs. Die vom Wind geformten Dünen sind tolle Fotomotive. Wir entdecken verschiedene Tierspuren im Sand und folgen ihnen. Kleine Büsche und einzelne Pflanzen kämpfen hier ums Überleben. Wir lieben diese Landschaft. Sie ist nicht einfach zu beschreiben. Wo nichts ist als Sand und ein paar Pflanzen fällt es uns leicht, den Blick nach innen zu richten, die Begegnung mit dir selbst. 
Wo nichts mehr ist, und karges weites Land unter endlosem blauen Himmel auf dich wartet, wird dein Blick nicht mehr abgelenkt. Eigenartig, hier wandern wir oft getrennt. Jeder sucht sich seinen eigenen Weg durch die Dünenlandschaft. Unterschiedlich nehmen wir diese Wüstenlandschaft in uns auf. Wir brauchen keine Worte, die Stille ist unser Begleiter. Morgen sind vielleicht unsere Spuren im Sand verweht. Aber das Erlebte träumt in uns weiter.
Scotty's Castle
Who would build a castle in the middle of the desert?
Der schlossartige Bau vom "Scotty's Castle" weckt unser Interesse. Mit einer kleinen Gruppe besuchen wir die geführte Tour durch die Castle-Räume. Gebaut in den 1930er Jahren boten die Räumlichkeiten bereits damals einen luxeriösen Komfort der Sonderklasse in der heissen Wüste. Dank einer natürlichen Quelle gab es Strom und ein Kühlsystem für die verschiedenen Zimmer. Der Rundgang durch die eingerichteten Räume liess uns vergessen, dass dieser Bau mitten in einer Wüste steht. Die Geschichte um Scotty's Castle ist lang, eindrücklich und verrückt zugleich.
Vor unserer Abreise aus dem Death Valley geniessen wir auf der Furnace Creek Ranch ein Bad im "WarmSpring-Fedpool". Mitten in der Wüstenlandschaft ein Schwimmbecken mit kristallklarem Wasser und angenehmer Temperatur. Was für ein Luxus! Wir schwimmen ein paar Längen und lockern unsere Glieder. In Stovepipe Wells Village besuchen wir am nächsten Morgen den Mosaic Canyon. Über die Emigrant Canyon Road erreichen wir am Nachmittag den Campground Wildrose. Noch reicht es für den Abstecher zu den Charcoal Kilns. Diese Brennöfen aus dem Jahre 1879 produzierten grosse Mengen Holzkohle für die Modock Mine. Unsere letzte Nacht im National Park ist eisig kalt. Tags darauf nehmen wir endgültig Abschied vom Death Valley.

Sequoia und Kings Canyon National Park
Der zweitälteste National Park in den Vereinigten Staaten wurde 1890 aus der Taufe gehoben. Die Einwohner von San Joaquin Valley und andere übten in den 80-iger Jahren des letzten Jahrhunderts Druck auf den amerikanischen Kongress aus, die Landschaft der Sierra Nevada gegen die Abholzung zu schützen. Naturschutz zur Erhaltung der Landschaft und zur Erholung war damals eine Idee in den Kinderschuhen.
Vor dem National Park übernachten wir noch auf dem Horse Creek Campground in der Nähe vom Lake Kaweah. In Three Rivers gibt es die letzte Tankstelle vor dem Park. Wir füllen den Tank und machen die letzten Einkäufe bevor es in endlosen Kehren auf 2000 Meter Höhe zum Giant Forest geht. Vom Aussichtsfelsen Moro Rock blicken wir auf die Sierra Nevada und auf das Giant Forest Plateau, wo sich die Mammutbäume in Höhe und Ausmass laufend überbieten. Im Giant Forest Museum erfahren wir Wissenswertes zu den Riesen-Mammutbäumen. 
Der westliche Abhang der Sierra Nevada ist der einzige Ort der Welt, an dem die Mammutbäume wachsen, zumeist in einer Höhe zwischen 1520 und 2130 Metern. Insgesamt gibt es 75 Haine. Die Sequoia Mammutbäume sind verwandt mit den Redwoods, die an der Küste wachsen. Wo liegt der Unterschied zwischen dem Sequoia und dem eibennadligen Mammutbaum Redwood?
Der Mammutbaum Sequoia hat einen säulenartigen Stamm, riesige, dicke Zweige und eine zimtfarbene Rinde. Er wird auch als "Sierra Redwood" oder einfach "Big Tree" bezeichnet. Sein wissenschaftlicher Name ist Sequoiadendron giganteum. Der höhere und schlankere eibennadlige Mammutbaum Redwood wächst an der Küste und verfügt über ein nadelbaumähnliches Profil. Sein wissenschaftlicher Name ist Sequoia sempervirens.
Wir machen uns auf den Weg zu den Giganten. Wir haben Zeit, bleiben oft lange stehen und betrachten die grössten Baumriesen mit Ehrfurcht. Vor dem General Sherman Tree, dem gewaltigsten aller Mammutbäume, steht eine Rangerin. Sie fragt uns, ob wir Zeit und Interesse für ein paar Infos über die Mammutbäume haben. Sie hält uns einen kleinen Vortrag, wir sind zu viert, und hören gespannt ihren interessanten Ausführungen zu. Wir kommen uns so klein und unbedeutend vor, je mehr wir über diese grössten Lebewesen erfahren. 
Der General Sherman Tree hat beachtliche Ausmasse. Der Basisdurchmesser beträgt 11 m. Der Durchmesser in 60 m Höhe beträgt 4,2 m. Er ist zwischen 2100 und 2300 Jahre alt. Sein grösster Ast hat einen Durchmesser von 2 m. Seine Höhe 85 m. Der Holzzuwachs pro Jahr entspricht einem 18 m hohen Baum mit normalen Proportionen. Das Stamm-Volumen ist gewaltig. Es beträgt 1'487 Kubikmeter! Ausgewachsene Bäume können jährlich bis zu 2000 Zapfen in Hühnereigrösse produzieren. Diese riesigen Bäume spriessen von Samen, die so leicht und klein wie Haferflocken sind. Die Samen werden freigegeben, wenn sich der Zapfen öffnet. Die Zapfen können grün und geschlossen bis zu 20 Jahre am Baum hängen. Das Douglashörnchen oder die Larve eines winzigen Käfers, der sich in den Zapfen bohrt, können die Zapfen dazu bringen, sich zu öffnen. Der Schlüssel zu Verbreitung der Samen und der Fruchtbarmachung des Bodens ist aber Feuer, das die Zapfen austrocknet, sich dann öffnen und die Samen fallen lassen.
Der Riesen-Mammutbaum stirbt nicht auf Grund hohen Alters. Er ist ausgesprochen resistent gegen Schäden durch Feuer und Insekten. Die meisten Bäume gehen ein, indem sie umkippen. Sie haben ein flaches Wurzelwerk ohne Pfahlwurzeln. Feuchter Boden, Wurzelschäden und starke Winde können leicht zum Umkippen der Bäume führen. Chemikalien im Holz und der Rinde bieten Schutz gegen Insekten und Schwämme. Die Rinde eines solchen Giganten kann bis zu 79 cm dick werden. Je mehr wir über diese sehr alten Bäume erfahren, betrachten wir sie als Wunderwerk der Natur. Gegen Abend suchen wir auf dem Lodgepole Campground einen Stellplatz auf 2048 m Höhe. Vor Tagen hat es geschneit und der Boden ist immer noch schneebedeckt. Es wird eine kalte Nacht geben, meinte Regine. Unsere Gas-Heizung erwärmt den kleinen Kabinenraum schnell auf angenehme 20 Grad. Da und dort brennt noch ein kleines Lagerfeuer und bietet Wärme, bevor die winterfesten Besucher in ihr Igluzelt kriechen. Am anderen Tag brechen wir nochmals auf und wandern auf verschiedenen Trails durch den grossartigen Wald. Zur Zeit sind nur wenige Besucher unterwegs. Wir brauchen Zeit, um das Erblickte zu verarbeiten. Wir stehen immer wieder still und betrachten die Bäume aus einer anderen Blickrichtung. 
Auf der Fahrt nach San Francisco lag der Yosemite National Park fast am Weg. Über Fresno und Oakhurst erreichen wir den Park. Die Entäuschung war gross, als wir an der Abzweigung zum Glacier Point die Tafel sahen:"Road closed"! Wir fahren auf dem Southside Drive ins Tal. Auf der anderen Talseite rauscht der Yosemite Fall in die Tiefe. Der Park liegt inmitten des Gebirgszugs der Sierra Nevada. Das Yosemite Tal und die alpine Hochgebirgswelt erinnern uns ein wenig an "Little Switzerland". Der Tioga Pass, 3000 m, ist bereits geschlossen, der Winter hat diese Höhe fest im Griff. Wir nehmen Kurs Richtung San Francisco und treffen die nötigen Vorbereitungen für die Rückreise. Einen Reiseunterbruch für die nächsten zwei Monate scheint uns sinnvoll. Einmal so richtig Urlaub machen vom Urlaub schadet uns nicht.
Hoch über den Wolken blicken wir zurück.
Unser Camper haben wir ca. 35 km nördlich von der Golden Gate Bridge in einem gut bewachten Self-Storage eingestellt. Er steht bescheiden zwischen exklusiven Reisemobilen und Yachten, überwacht mit Kameras und umgeben mit einem hohen Zaun. Er hat auch Ferien verdient. Sauber gereinigt und herausgeputzt wartet er auf seinen nächsten Einsatz im Jahr 2011. Wir haben uns im Zentrum von San Francisco eingenistet, direkt bei der Cable Car Endstation. Wir besichtigen die Stadt und müssen uns erst an die vielen Leute, den Lärm und das hektische Treiben gewöhnen. Ja, wir hatten eine Traumreise. Sieben Monate quer durch Kanada, Alaska und die USA zu reisen ohne Pannen, Unfall oder Krankheit, ist auch für uns nicht selbstverständlich. Dank der perfekten Navigation von Regine, unterstützt vom Navigationsgerät, steuerten wir auch die kleinsten Orte zielsicher an und fanden selbst ausgestorbene Ghost-Towns. 
Wir waren auf kleinstem Raum unterwegs in einer grossartigen weiten Landschaft. Wir konnten, wollten und durften uns Zeit nehmen. Viele Begegnungen mit der Bevölkerung und anderen Reisenden bereicherten unseren Alltag. Wir danken allen die uns unterwegs mit tollen Infos und Tipps versorgten. Unterwegs sein bedeutet für uns immer noch sehen und hören lernen. Wir unterbrechen unsere Reise für ca. zwei Monate und machen Urlaub vom Urlaub. Einen neuen Aufbruch wollen wir wieder gut vorbereiten und planen. Reisen ist unsere Leidenschaft. Unterwegs sein fordert uns heraus, braucht Mut. Täglich Neuland unter die Füsse und Räder nehmen ist spannend und abwechslungsreich. Wir sind uns einig, auf unserer Reise hatten wir kaum Turbulenzen. Ein grosses Geschenk, das jede Reise noch kostbarer macht. Der nächste Reiseabschnitt beginnt sich langsam aber sicher in unseren Köpfen einzunisten.