Reisebericht

01.07.08 - 31.07.08 Broome - Darwin
Auch Reisende benötigen Ferien. Travelling is hard work! Deshalb haben wir uns in Broome an der Cable Beach für ein paar Tage einquartiert. Laut den Ferienprospekten der Kimberley-Region gibt es hier sehr viele Attraktionen, dass man den Aufenthalt auf einen Monat erweitern könnte. Heute, am 3. Juli sitzen wir an der feinsandigen Cable Beach. Der etwa 250 m breite, flache Strand hat Ausmasse, dass auch wir mit dem Fahrzeug unterwegs sind und unseren Strandabschnitt aussuchen, wie die Einheimischen. In weiter Ferne sitzen etwa 50 Kamele am Strand und warten auf Gäste. Der Strand lädt ein zum Baden, Segeln, Surfen oder Spielen. Einzigartig sind die Kamelkarawanen, die bei Sonnenuntergang am Strand, nahe am Wasser, entlang schreiten. Die Tiere mit ihren ruhigen, gemächlichen Schritten zaubern eine besondere Stimmung hervor. Die lang gezogenen Schatten am Strand und die Stille, nur unterbrochen durch die kleinen Wellen, begeistern Betrachter und Reiter. Wir geniessen die traumhafte Abendstimmung auch ohne Kamelritt, dafür mit einem Apéro.
 
Story Nr. 5 "Wer ist der Chef?"
Ausgang stand am heutigen Abend auf dem Programm. Wir hatten etwas zu feiern. Auf dem Weg zur Cable Beach mischten wir uns unter die grosse Touristenschar. Das sehr schöne Strandrestaurant war gut besetzt. Wir bekamen einen Tisch mit Blick auf das Meer. Kurz nach der Bestellung konnten wir anstossen auf unseren 32. Hochzeitstag. Es folgte ein feines Nachtessen, das durch die undefinierbare Background Musik aus dem Lautsprecher noch verfeinert wurde. Wir plauderten über den täglichen Kram, als plötzlich die Frage auftauchte: "Wer ist der Chef von uns beiden?" Unsere Diskussion wurde lebhafter, doch die zwei jungen verliebten Paare am Nachbartisch nahmen keine Notiz davon. Sie flirteten liebevoll miteinander, wie wir das vor vielen Jahren auch taten. Wir dachten an unsere Zeit zurück, als wir jung waren. In der Zwischenzeit erhielten wir unsere beiden Tortenstücke, die Regine in der Vitrine ausgewählt hatte. Fast wäre die Frage geklärt gewesen, wer der Chef ist, hätte Walter nicht Regine beauftragt, den feinen Dessert zu bestellen. Auf dem Heimweg zu später Stunde konnten wir uns nicht einigen zur Chef-Frage. Deshalb beschlossen wir, die entscheidende Frage auf den nächsten Hochzeitstag zu verschieben. Damit die jahrelange Tradition, Blumen auf den Hochzeitstag zu schenken nicht unterbrochen wurde, schlich sich Walter ins dunkle Gebüsch und zauberte kurz darauf Regine eine zart duftende, wunderschöne Frangipani-Flower unter die Nase. Gut, dass wir auch solche Momente auf unserer Reise geniessen dürfen.
Da wir im Norden oft Warntafeln über Korkodile sahen, besuchten wir die bekannte Krokodilfarm von Malcolm Douglas in Broome. So erhielten wir einen lebhaften Eindruck über das Verhalten, die Züchtung und den Schutz der furchteinflössenden Reptilien. Auf verschiedenen Schautafeln wird ausführlich über "Salties" und "Freshies" informiert. In West Australien leben Salz- und Süsswasser-Krokodile. In der Kimberley Region findet man die Tiere in Flüssen mit Flut, an Flussmündungen, aber auch im offenen Meer. Salzwasserkrokodile leben auch im Süsswasser, in Flüssen, viele Kilometer im Landesinnern. Es ist das grösste lebende Reptil, kann bis 7 m lang werden und ist bekannt als gefährlicher Räuber. Salties ernähren sich vielseitig. Fische, Wasservögel und grössere Landtiere, wie Känguruhs stehen auf dem Speisezettel. Sie legen ihre Eier während der nassen Saison, d.h. vom November bis April. Die entsprechenden Warntafeln muss man ernst nehmen. Die eindrückliche Demo in der Farm ist sehenswert. Der ruhige Pool mit grüner Umgebung sieht harmlos aus. Keine Tiere auf sichtweite. Ein Kunststoffball an der Leine wird in den Wassertümpel geworfen und blitzartig schnappt ein grosses Salzwasserkrokodil nach dem Ball. Die Süsswasser-Krokodile mit ihren schmalen Schnauzen leben in Frischwasserflüssen, Bächen und gelegentlich bei Flussmündungen. Sie sind eher schmal und selten länger als drei Meter. Normalerweise greifen Freshies den Menschen nicht an, aber ein Biss kann sehr schmerzhaft sein und muss ärztlich versorgt werden. Diese Reptilien sind Teil des Öko-Systems in dieser Gegend und wir düfen sie in freier Wildbahn mit entsprechendem Respekt und Abstand bewundern. Wir freuen uns darauf!
Nachdem gestern beim "Updaten" unserer Homepage nicht alles klappte, versuchten wir es heute erneut. Vor dem Rezeptionsbüro vom Camp richteten wir unser Büro ein. Verlängerungskabel, Code, Passwort und PC standen bereit. Um 8 Uhr morgens starteten wir den zweiten Versuch und nach über eineinhalb Stunden war alles auf dem Netz. Die Wireless Internetübertragung nahm sich viel Zeit mit kleinen und grossen Unterbrüchen und wir haben was dazu gelernt!
Von Broome reisten wir nach Derby, um das Hochland "The Kimberley" zu entdecken. Diese Gegend sei eines der letzten, wahren und grossen Outback-Abenteuer, so berichtet das Reiseheft von Australia North West. Abgeschiedenheit und Naturschönheiten stehen auf unserem Programm. Die Gegend ist gösser als Deutschland und die Schweiz zusammen. Hier wird nicht mehr in Einwohner je Quadratkilometer, sondern in Quadratkilometer je Einwohner gerechnet. The Kimberley hat etwa 30'000 Einwohner und die meisten leben in den Städten Broome, Derby und Kununurra.
Derby ist für uns Ausgangspunkt für den Gibb-River-Road Track. Dort besuchten wir das Visitor Centre, wo der tägliche Höchststand der Flut angeschlagen ist. So staunten wir, dass zwischen Ebbe und Flut gute 10 Meter notiert waren. Als wir den Jetty (Landesteg) aufgebaut auf hohen Säulen mit dem Fahrzeug befuhren, konnten wir uns kaum vorstellen, dass der Meeresspiegel bis unter die Fahrbahn steigen kann. In Derby wird der höchste Tidenhub Australiens mit über 11 m gemessen. Früher wurden hier Wolle und Perlmut verladen. Heute wird Vieh exportiert, Lebensmittel, Benzin und Öl eingeführt. Nachdem unsere Vorräte aufgefüllt, Wasser und Diesel aufgetrankt waren , starteten wir zur 8-tägigen Outbacktour in den Norden.
Am 5. Juli nahmen wir den 1113 km langen Track unter die Räder. Unser Ziel war das Mitchell Plateau im Norden mit den berühmten Wasserfällen. Dieses Gebiet gilt als eines der abgelegensten Orte Australiens und lässt keine Wünsche offen, betreffend Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt. Die Reisezeit beschränkt sich auf die Monate Mai bis Oktober, je nach Wasserstand der Flüsse. Für dieses grosse Gebiet sind nur 4 WD - Fahrzeuge zugelassen. Zum Glück wussten wir noch keine Details zu den Strassenzuständen!
Mit der Regionalkarte The Kimberley verliessen wir Derby und fuhren ostwärts auf der noch geteerten Gibb River Road. Der grosse "Prison Tree"kurz nach Derby beeindruckte uns mit seinem Umfang von ca. 14 m und seinem beachtlichen Alter von etwa 1500 Jahren. Nach Infotafeln diente der hohle Boab Tree straffälligen Ureinwohnern auf dem Weg nach Derby als Zelle zum Übernachten. Der Baum hat eine grosse Bedeutung für die Aboriginal People dieser Gegend.
Bereits nach 10 km war der Teerbelag nur noch Fahrzeugbreite und nach weiteren 50 km kam "Bitumen ends"! Auf der Schotterpiste lernten wir schnell sicheres Fahren auf Tracks. Die entgegenkommenden langen Road Trains zogen nicht nur eine grosse und lange Staubfahne hinter sich her, auch die folgende "Steinschlag-Dusche" spührte unser Fahrzeug, besonders die Windschutzscheibe. Deshalb galt für uns bei Road Trains, ob von vorne oder hinten, links an den Pistenrand, Windschutzscheibe abdrehen, überholen lassen, Pause einlegen und wenn die Landschaft zu den natürlichen Farben zurückkehrt ist gemütlich weiterfahren. Zum Glück fahren die langen Lastwagenzüge, die mit Tieren beladen sind, entsprechend langsam. Die Tafel mit dem Hinweis "Vieh auf den nächsten 80 km" nahmen wir ernst. Auf der ganzen Gibb River Strecke sahen wir immer wieder kleinere und grössere Rindergruppen. So passten wir das Tempo dem Strassenzustand und den weidenden Rindern entlang der Strasse an. Zahlreich und in den verschiedensten Formen säumten die flaschenförmigen, meist kahlen Boab Trees die Landschaft. Einen besonderen Farbkontrast zeigten im abgebrannten schwarzen Bushland die roten Termitenbauten. Nach rund 120 km nahmen wir Kurs Süd-Ost und besuchten den Windjana Gorge National Park, wo wir auf dem Bushcamp unsere Solardusche an einen Gum Tree hängten und den Staub der Erde wieder zurückgaben. Bei anbrechender Dunkelheit gegen 18 Uhr kam der Ranger und kassierte pro Person zehn Dollar ein.
Tags darauf war Tagwache um 5 45 Uhr. Die Nachtaugenkakadus waren schon recht aktiv und hörbar aus weiter Ferne. Gegen 7 Uhr besuchten wir die 3,5 km lange Schlucht. Die Windjana Gorge ist Teil eines 375 Mio. alten Devonian Reef-System. Der Lennard River hat hier die Landschaft entsprechend geformt. Die 300 m hohen, schroffen Felswände, die Fluss- Eukalypten, Gum Trees und Kakadus begrüssten uns. Süsswasserkrokodile schätzen die tiefen, permanenten Wassertümpel mit frischem Wasser. Wir sahen viele Süsswasserkrokodile, gut zu erkennen an ihrer schmalen Schnauze. Sie sonnten sich auf den Sandbänken und im Fluss. Die Freshies messen etwa 2,5 m und sollen scheu und harmlos sein.
Diese Tiere in der freien Natur zu betrachten, ist wirklich einmalig. Wir näherten uns nur zögernd den Freshies und mit entsprechendem Respekt. Regine war so begeistert und wagte sich sehr nahe an die Tiere bis ich sie fragte:"Willst du die Krokos wirklich streicheln?"
Von weitem hörten wir ein lautes Gekreische. Mehrere Bäume waren dicht behangen mit "Flying Foxes", eine Fledermaus-Art. Im hinteren Teil der Schlucht sahen wir Versteinerungen von Meerestieren. Nach über 4 Stunden Erkundungstour in der Schlucht können wir gut verstehen, dass dieses Gebiet eine tiefe, kulturelle Bedeutung für die lokale Bunuba Leute hat, welche seit menschengedenken hier wohnen.
Die 35 km lange Wellblech-Piste zum "Tunnel Creek" gab uns einen Vorgeschmack betreffend Schotterpiste. Der Tunnel Creek, einen 750m langen Felsentunnel, ist das älteste Höhlensystem West Australiens. Der Bach fliesst durch einen Tunnel aus Kalkstein von der Napier Range aus. Die Tunnel-Höhle kann nur in der Trockenzeit durchwatet werden. So machten wir uns mit rutschfesten Turnschuhen und wasserdicht verpacktem Fotoapparat und Stirnlampe auf den Weg. Der stockfinstere Tunnel wird in der Mitte durch ein Einsturzloch etwas aufgehellt. Zum Glück mussten wir nur knietief einzelne Höhlenabschnitte durchwaten. Bei höherem Wasserstand muss man einzelne Abschnitte schwimmend bewältigen. Da auch noch andere Besucher in der Höhle unterwegs waren, zeigten vor und hinter uns kleine Lichter die Richtung an. Hand in Hand, mal links, mal rechts der Tunnelwand entlang, über Sandbänke, Steine und Wasserstellen erreichten wir am Tunnelende ein grünes Paradies. Noch wartete der gleiche Weg zurück auf uns. Dabei suchten wir an Wänden und Decken nach schönen Tropfsteinen. Der Tunnel Creek ist auch eine grosse Attraktion für Kinder, denn im ganzen Tunnel gibt es kein Licht. Am späteren Nachmittag waren wir ein Abenteuer reicher und wir rollten gemütlich auf die Gibb River Road zurück.
Kurz vor Sonnenuntergang drehten wir von der Piste ab und schlugen unser Camp in der Nähe eines Vieh-Gates auf. Rinder weideten in der Umgebung und wir schauten dem rot glühenden Horizont im Bush mit einem Glas Rosé in die Augen. An diesem Abend waren wir eines der letzten Fahrzeuge auf der Gibb River Road. Dann verstummten auch die letzten Vögel und es herrschte Outbackruhe. Der zunehmende Mond erhellte ein einwenig unsere Umgebung und wir versuchten den ereignisreichen Tag zu verarbeiten.
Morgens um 6 Uhr stand das Frühstück bereit. Die aufgehende Sonne und unsere heissen Kaffeetassen erwärmten uns. 8 km vor dem Roadhouse Imintji kam die Abzeigung nach Norden zur der 29 km entfernten Bell Gorge. Die traumhafte Schlucht mit ihren Wasserfällen und den grossen Pools zum Schwimmen ist ein Touristenmagnet. Da zur Zeit zwei Wochen Schulferien sind, treffen wir auch viele Kinder auf den Wanderwegen an.
Der schöne und abwechslungsreiche Wanderpfad zu den Wasserfällen führte durch eine traumhafte Pflanzenwelt. Unter einem grossen Felsvorsprung packten wir unser Picknick aus und schauten den schwimmenden Leuten unten im Pool zu. Will man in dieser Gegend übernachten, so muss man bis spätestens zur Mittagszeit vor Ort sein, sonst sind die wenigen Plätze bereits belegt.
Nun ging es zurück auf die Gibb River Road. Beim Mt Barnett Roadhouse machten wir einen Zwischenstopp. Beim Store-Ausgang sahen wir viele Fotos von gestrandeten Fahrzeugen. Anschaulich und abschreckend zeigten sie auf, was passiert, wenn man die Hinweistafeln betrefffend Pistenzustand und Wasserstand der Flüsse nicht beachtet. Autos mitten im Fluss versunken, Mietfahrzeuge auf der Schlammpiste umgekippt und abbruchreife Fahrzeuge am Pistenrand. Solche Reisetipps nehmen wir ernst, den eine Fahrzeugbergung im Bush ist ein kostspielige Angelgenheit und mit viel Unannehmlichkeiten verbunden.

Nun verliessen wir die Gibb River Road und schwenkten nach Norden ab zur 60 km entfernten Drysdale River Homestead. Ausgangspunkt zu den Mitchell Falls mit guter, aber sehr teurer Infrastruktur. Der Diesel kostete $ 2.38 und für zwei Brote bezahlten wir $ 11.- ! Nun brauchten wir gute Nerven für die 175 km lange Strecke zum Mitchell Plateau. Diese Naturstrasse ist eine sehr rauhe und holprige Angelegenheit. Beim King Edward River durchquerte ich den Fluss zuerst, um die beste Passage zu finden, wobei ich mitten im Fluss einen unfreiwilligen Taucher machte, der Regine sofort mit der Kamera festhielt.
Kurz nach meiner Flussrekognoszierung durchquerte ein Fahrzeug mit Anhänger den Fluss. Dieses blieb mitten im Fluss stecken und sein Anhänger füllte sich mit Wasser. Nun gabs Arbeit! Eine Besichtigung lohnt sich immer, wenn es keine Krokodile hat. Unser Trittbrett hat eine Höhe von über 50 cm und stand gut unter Wasser beim Durchqueren. Oft schauten wir zuerst auf die Fahrtechnik der Einheimischen, denn je weniger es spritzt, um so besser ist die Durchquerung. Für die letzten 85 km zu den Wasserfällen war der 2. Gang gefraft. Nach knapp vier Stunden Fahrzeit für diese Strecke erreichten wir bei anbrechender Dunkelheit das Camp im Mitchell River N.P. ohne Panne! Erstaunt über die vielen Camper mit den unterschiedlichsten Outback-Ausrüstungen suchten wir eine ruhige Ecke für unser Nachtlager.
Der Mitchell River N.P. umfasst ein Gebiet von 1153 qkm und ist bekannt für seine einmalige Landschaft mit tiefen Schluchten und Wasserfällen. Eine begeisternde Vegetation von bewachsenem Buschland mit Regenwald, grossen Pandanus-Palmen und Eukalyptusbäumen. 220 Vogelarten leben in dieser Gegend und eine Checkliste mit allen Namen der Vögel steht dem Besucher zur Verfügung. "Use this checklist to check off birds seen during your stay... You will be surprised how many you actually see!" Dazu kommen noch etwa 50 Säugetierarten und 86 verschiedene Reptilien und Amphibien. Alle Tiere übersichtlich aufgelistet zum "Abchecken"! Einmalig! Nun können wir verstehen, dass naturbegeisterte Camper sich hier einrichten für eine länge Zeit. Grosser Kontrast dazu die Helikopterflüge zu den Wasserfällen, damit man sich den 3-4 stündigen Wanderweg ersparen kann. Um 7 Uhr schlüpften wir in die Wanderschuhe und machten uns auf den Weg zu den Wasserfällen. Wir waren die ersten "Spurenleser" auf dem Weg. Die Wanderweg-Markierung durch den Fluss vor dem Wasserfall überraschte uns. Ein grossartiger Panoramablick am Ende des Wanderweges belohnte uns für den beschwerlichen und langen Anfahrtsweg. Unmittelbar an den senkrecht abfallenden Felswänden hatten wir Lunchtime. Begeistert von dem fantastischen Ausblick blieben wir lange Zeit dort und hörten dem Rauschen der Wasserfälle zu, bevor wir zur Rückkehr aufbrachen.
Zurück auf der Gibb River Road zeigte unser Tacho bereits über 800 km an. Nun folgten noch 250 km Schotterstrasse mit Wellblechabschnitten und steinigen Partien. Einzelne kurze Streckenabschnitte mit 10% Steigung waren geteert, damit die Strasse nicht zu einem "Bachbett" wird. Gespannt näherten wir uns dem Durack River, auch eine Schlüsselstelle auf der Gibb River Road. Die rund 50 m lange Furt war aber nur knietief zu durchqueren. Schon bald sahen wir den Mt. Edith und kurz darauf blickten wir in ein weites Panorama, wo der Pentecost River durch die Landschaft fliesst. Wir schauten uns an und fragten uns, wo ist dieser Fluss zu durchqueren? Von weitem zeigten sich die Cockburn-Berge und deren Hügelkette mit den Sandsteinklippen in der Nachmittagssonne. Die letzte grössere Flussquerung am Pentecost River machte es noch einmal spannend. Der etwa 120 m breite Fluss hatte nur einen Wasserstand von 40 - 50 cm. Eine Besichtigung zu Fuss hatte mir Regine abgeraten, da es Hinweisschilder betreffend Salties gab. Im Schritttempo rollten wir durch das Wasser, immer in der Hoffnung keine tiefere Löcher zu erwischen. Kurz nach dem Mt. Rob freuten wir uns auf den geteerten Great Northern Highway. Entspannt und glücklich über den pannenfreien Track rollten wir auf der ruhigen Strasse nach Wyndham.
Der Purnululu National Park mit seinen orange-schwarz gestreiften Sandsteindomen, genannt "Bungle Bungle" stand nun auf unserem Reiseprogramm. 260 km südlich von Wyndham führt eine 53 km lange, sehr rauhe, kurvenreiche und hüglige 4 WD-Piste in den Park. Wir nahmen uns Zeit und eilige Fahrer überholten uns oft. Auf halber Strecke blockierte ein Anhänger den Weg, denn seine Achse mit den Rädern lag am Pistenrand. Eine sehr teure Bergungsangelegenheit! Bis zum Camp brauchten wir für diese Strecke dreieinhalb Stunden.
 
Die "Bungle Bungle" wurden 2003 zum Weltkulturerbe ernannt. Die Region ist eine unglaubliche Naturschönheit und hat einen hervorragenden geologischen Wert. Ein Netz von schmalen Schluchten verzweigt sich in dieser grossartigen Landschaft. Diese natürlich geformten Sandstein-Formationen sind einzigartig in der Welt. Die Geologie von Bungle Bungle Range ist eine sehr komplexe Geschichte über hunderte von Millionen Jahren. Die Schluchten wurden gefromt von der Kraft der Erosion des Sandsteins. Die konstante Erosion und die Flüsse formten die einmaligen orane-schwarz gestreiften Dome über die letzten 20 Millionen Jahre. Das Resultat ist eine vielfältige Serie von Schluchten, welche im Sandstein-Massiv enden, wie Finger einer Hand. Das Gestein ist extrem brüchig. Warum sind diese Sandsteindome orange-schwarz gestreift? Die orangen und grau-schwarzen Streifen entstehen bei der Anwesen- oder Abwesenheit von Cyanobakterien. Dunkle Streifen zeigen die Anwesenheit von Cyanobakterien, welche auf den Sandsteinschichten wachsen, wo sich Feuchtigkeit ansammelt. Die orangen Streifen oxidieren Eisenverbindungen, welche zu schnell austrocknen, um für die Cyanobakterien zu wachsen. Kaum vorstellbar, dass diese Felstürme nur noch Überreste von einem geschlossenen Sandsteinplateau sind. Über 600 spezielle Pflanzen sind im Purnululu N.P. entdeckt worden.
Am Nachmittag richteten wir uns auf dem Walardi Camp ein und räumten das Feuerholz aus, welches Walter morgens um 6 Uhr am Spring Creek sammelte. Zum Fuss suchten wir die Cathedral Gorge auf. Am Ende dieser kurzen Schlucht liegt ein gewaltiges Amphitheater mit einem Wasserloch, in dem sich die senkrechten, orangen Felswände spiegelten. Auf dem Weg zum Lookout waren wir so beeindruckt und fasziniert von diesem Gebiet, dass der Gedanke "Bungle Bungle" aus der dritten Dimension zu entdeckten, reifte.

 

Am Feuer unter dem weissen Gum-Tree Eukalyptus speicherten wir den Chip auf den LapTop und betrachteten noch einmal die farbigen Bilder. Am nächsten Tag sass der Kookaburra auch "lachender Hans" genannt, auf dem Ast und schaute mit neugierigen Blicken auf unseren Frühstückstisch.

Um 8 30 Uhr standen wir beim Airstrip/Helipad. Nach kurzen Infos hob der Helikopter nur mit uns beiden ab, zu einem halbstündigen Flug über Bungle Bungle. Keine Türen links und rechts, alles offen, um die traumhafte, einmalige Landschaft aus der Luft zu sehen. Der Pilot informierte uns laufend über die vielfältigen Schluchten und Gebirgsformen, doch wir waren so begeistert, dass wir seine Erklärungen kaum wahrnahmen! Aus der Luft sieht alles noch viel eindrücklicher aus. Die farbige Landschaft verändert sich je nach Sonnenstand, von braun zu rot, orange und gold, während die Palmen einen grünen Kontrast zu den gesteiften Felsen bilden. Ein unvergessliches Highlight! Bungle Bungle muss man aus der Luft gesehen haben!
Zurück auf dem Boden fuhren wir in den Norden des N.P. zum Echidna Chasin Trail. Dort führte der Weg durch eine sehr enge Felsspalte. An einigen Orten stehen die 100 m hohen Felswände nur einen Meter auseinander. Am Ende der Schlucht sahen wir Spuren an den Felswänden von den letzten Regenfällen und deren Erosion. Auf dem Mini Palms Trail wanderten wir durch eine Livistona-Palmen bewachsene Schlucht. Der Aussichtspunkt auf dem Weg zeigte uns nochmals einen kleinen Ausschnitt aus der Landschaft Bungle Bungle. Auf dem Rückweg zum Camp besuchten wir noch den Kungkalanyi Lookout, bekannt für sein 360 Grad Panorama und den Sonnenuntergang auf die felsige Landschaft.
Im National Park darf man kein Feuerholz sammeln. Alles muss von ausserhalb mitgebracht werden, ausser Wasser, das man abkochen muss. Auch der "Rubbish" wird von allen Besuchern wieder mitgekommen und wir staunten über die Sauberkeit des grossen Camps. So erwärmten wir uns zur später Stunde an unserem letzten Feuerholz.
Dieser Tag war mehr als ein "Ferientag"! Wir erlebten so viele spezielle Momente, an deren wir uns immer erinnern!
Wir haben uns schon recht gut eingelebt auf den wenigen m2 im Bushcamper. Besitzen wir doch ein Wohn-, Schlaf- und Arbeits- zimmer! Die Küche befindet sich unter freiem Himmel. In dem doppelstöckigen Bett haben wir genügend Platz, schlafen gut und fühlen uns wohl. Beim Einschlafen schauen wir durchs Dachfenster in den schönen Sternenhimmel. Da wir tagsüber immer in der grossen, weiten Landschaft unterwegs sind, ist unser "rollendes Haus" mehr als gross genug.
Nach dem Abstecher in den Süden zum Purnunulu N.P. besuchten wir Kununurra. In der Aboriginalsprache bedeutet der Name "grosses Wasser". Die moderne grossflächige Stadt wurde 1963 als Verwaltungszentrum für das Bewässerungsprojekt gebaut und zählt heute etwa 6000 Einwohner. In dieser Umgebung gibt es eine grosse Landwirtschaft mit vielen Feldern und Plantagen. Auffallend sind die vielen langen Wasserkanäle entlang der landwirtschaftlich genutzen Fläche. Zuckerrohr, Bananen, Melonen, Mangos, Gurken, Kürbisse und anders mehr wird hier geerntet. Um die grossen Regenmengen im tropischen Norden während der Wet-Season nutzen zu können, wurde der Ord River gestaut und der Lake Kununurra entstand.
Später wurde der Fluss an einer zweiten Stelle gestaut. Durch den Ord River Dam entstand der Lake Argyle. Aus dem grössten Stausee Australiens ragen heute noch Bergspitzen wie kleine Inseln aus dem Wasser. Ein grosses Ökosystem entstand am Lake Argyle und dem Ord River entlang. So sollen heute mehrere tausend "Freshwater Crocodile"auf den geschützten Sandbänken am Stausee und im Fluss leben. Die einzigartige Wasserlandschaft wird auch entsprechend "touristisch" vermarktet. So kostet eine zweistündige Bootsfahrt locker $ 65.- pro Person. Nun verstehen wir auch, dass viele Australier zum "Bushwohnwagen" auch noch ein grosses Boot mitführen, die meisten davon sind leidenschaftliche Angler.
Der Besuch der "Zebra Rocks Gallery" ausserhalb der Stadt Kununurra faszinierte uns. Das vielfältig, farbig gestreifte Gestein wird zu schönen Souvenirs verarbeitet. Beim Schneiden, Schleifen und Polieren zeigen die Steine eine wunderschöne Stein-Textur. Bei den verschiedenen Formen leuchten die Farben unterschiedlich aus den Steinen heraus. Beim Betrachten der "Steinbearbeitungs- Werkstatt" dachten wir an jemanden und handelten!
Auf dem Weg nach Katherine entdeckten wir die ersten brennenden Bushbrände. Neugierig wagten wir uns an die vom Wind entfachten Flammen heran und staunten wie schnell sich das Bushfeuer nach entsprechender Windrichtung fortfrass. In den Unterlagen über Bushfeuer wird ausführlich über diesen Prozess berichtet. Für den Besucher, der zum erstem Mal Kilometer weit schwarzes Land sieht, ist es ein Schock. Bushbrände sind aber ein natürlicher Teil von der Savanna.
Feuer werden in der frühen "Dry-Season", wenn der Grund der Vegetation immer noch feucht ist, angezündert. In dieser Jahreszeit sind die Feuer niedrig und limitiert in der Ausweitung. Dry-Season-Feuer haben einen direkten Einfluss auf Gras und Kräuter, denn diese Pflanzen sind so dominant, dass die anderen Pflanzen, z.B. kleine Bäume und Sträucher keine Chance haben zum Wachsen.
Die dominante Vegetation in der Kimberley Region sind Savanna-Wald und offene Wälder. Diese sind relativ feuerresistent. Ca. 50% von der Kimberley Savanna Vegetation wird jedes Jahr abgebrannt. Die Vegetation erholt sich sehr rasch und hat meistens einen kleinen sichtbaren Effekt vom Feuer am Ende der nächsten "Wet-Season". Fast kein gesunder Savanna-Baum verbrennt in der frühen, trockenen Jahreszeit. Wir haben grosse abgebrannte Flächen gesehen, die bereits wieder viel "grün" hervor zauberten.
Dieser dürre Baum stand in Flammen und gleich nach dem Fotografieren stürtzte er auf die linke Seite. Glück gehabt!
Auch diesen Monat haben wir viel erlebt und gesehen. Die Farbfotos im Info-Büro am Keep River drehen sich immer noch in meinem Kopf. Eine grosse Olive Pyton Schlange verschlingt ein Freshwater-Krokodil. Eine andere Pyton Schlange verschlingt ein Wallaby (kleines Känguruh). Wir müssen noch eine Weile bleiben, bis wir solche Fotos machen können! Eindrückliche Bilder! Und genau jetzt erspähen wir einen "Bemang" oder "Frilled-necked Lizard" in der freien Wildbahn. Mehr dazu im nächsten Monat.
Zum Abschluss vom Monat Juli das "Bettmümpfeli" des Monats:
"Liebe ist...zusammen langsam älter werden." Auch beim Reisen wichtig!

 

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