Reisebericht Argentinien - Bolivien - Brasilien
01. - 31.12.2014 Salta - Cafayate - Cachi - El Carmen - Humahuaca - La Quiaca (Argentinien) -
Villazón - Tarija - Villa Montes - Santa Cruz - San Ignacio de Velasco -
San Matias (Bolivien) - Cáceres - Pôrto Velho (Brasilien)
Rundreise Salta – Cafayate – Cachi – Salta
Wir beginnen die kleine Rundreise durch das Valle de Lerma, das südlich von Salta liegt. Das fruchtbare Tal mit kleinen und grossen Feldern entlang dem Fluss bietet für viele Bauern eine gute Existenz. Viele Häuser aus roten Lehmziegeln stehen beidseits der Strasse. Der Tabakanbau ist hier besonders verbreitet. Wir sehen verschiedene Felder mit hohen und niedrigen Tabakpflanzen. Schade ist noch nicht Erntezeit, da hätten wir mehrere Fotostopps eingelegt. Auf der guten Asphaltstrasse nach Cafayate gibt es nur wenig Verkehr.
Bei den Quebrada de las Conchas, eine 80 km lange Schlucht, besuchen wir zwei interessante Felsformationen. „El Anfiteatro“ ist ein ca. 50 m grosser Felsenkessel, mit über hundert Meter hohen Wänden. „La Garganta de Diablo“, Teufelsschlund, ist ebenfalls eine aussergewöhnliche runde Felsformation. Die Natur als Bildhauer mit grossen Dimensionen bringt uns immer wieder ins Staunen. Je nach Sonneneinstrahlung leuchten die Felsen in unterschiedlichen Farben.
Cafayate ist das touristische Zentrum der Region. Etwas ausserhalb vom Dorfzentrum richten wir uns auf dem Campingplatz ein. Der kommunale Campingplatz Rio Loro Huasi verdient 5 Sterne. Für uns ist dieser Platz einer der Besten, Schönsten und Saubersten. Die ganze Infrastruktur funktioniert einwandfrei samt Internet. Da könnte das kleine Städtchen Kurse anbieten zum Thema: „Was braucht es für einen einladenden Platz, wo sich der Gast wohlfühlt“. Tja, Argentinien hat noch sehr grossen Nachholbedarf in dieser Angelegenheit. Der kleine Ort ist umgeben von den ersten Andengipfeln und vielen Weingärten. In der Region gibt es mehrere grosse Bodegas, die ihren feinen Rebensaft in alle Welt exportieren. Das Weinmuseum mitten im Dorf, die Plaza und die schöne alte Kolonialkirche laden ein zum Verweilen. Rund um die Plaza werden alte Häuser auf- wändig restauriert und die Kunsthandwerkerläden versuchen ihre Produkte schön zu präsentieren.
Auf einer Naturstrasse führt uns die Ruta 40 von Cafayate durch das schöne Valle Calchaquíes nach Cachi. An der Plaza steht die Kirche, wo im Innern einige Gegenstände aus Kakteenholz zu bestaunen sind. Besonders eindrücklich ist das Kirchendach, der Beichtstuhl, der Ambo und anderes Mobiliar, das aus dem Holz der Cardones gefertigt wur- den. Der Ort liegt auf 2280 m Höhe und ist eigentlich ideal zum Übernachten. Jetzt sind wir am richtigen Ort, aber zur falschen Zeit. Es ist Samstagabend und wir haben uns auf einer schattigen Parzelle auf dem Campingplatz eingerichtet.
Die „Open-Air-Disco“ richtet sich ein und gegen Mitternacht wird in voller Lautstärke das ganze Dorf beschallt. Bis gegen den frühen Morgen hämmert es bumm, bumm, bumm, begleitet von einem Gekrätze, dass man bei gewöhnlicher Lautstärke noch Songs nennen könnte. Der Lärm war wirklich ohrenbetäubend und gesundheitsschädlich. Das einzige was zählte, war die volle Lautstärke, die die grossen Lautsprecher- boxen und Verstärker hergaben. In dieser Nacht war nicht an Schlaf zu denken, auch für die übrigen Dorfbewohner nicht.
Den kleinen Ort Cachi werden wir nicht so schnell vergessen. Der Gedanke immer vom Samstag auf Sonntag in den Genuss einer schlaflosen Nacht zu kommen und das Bumm, Bumm, Bumm noch Stunden nach Disco-Schluss in den Ohren zu hören, ist nicht unser Ding! Als wir am Morgen das Dorf verlassen sehen wir kaum Bewohner. Sie werden wohl ihren verdienten Schlaf am Sonntagvormittag nach- holen.
Einige Kilometer nach Cachi queren wir den Nationalpark Los Cardones, der uns mit Tausenden hoch aufragenden und blühenden Kandelaber-Kakteen erfreut. Die sehr schöne, farbige Landschaft und die Ruhe geniessen wir besonders bewusst. Auf der Passhöhe, Piedra de Molino auf 3348 m, liegt ein Mühlstein. Gebraucht wurde er in dieser Gegend kaum. Irgendjemand hat ihn dort deponiert und man hat den Passübergang nach dem Mühlstein benannt. Der Blick in das Valle Encantado ist sehr schön. Im fruchtbaren Hochtal mit den roten Felsen entdecken wir Kondore, die in der Thermik kreisen. Über viele Serpentinen geht es bergab durch die Landschaft Cuesta del Obispo.
Unterwegs nach Norden zur bolivianischen Grenze
Wir sind in der Provinz Jujuy. Das Humahuaca-Tal ist sehr ab- wechslungsreich. In Purmamarca bestaunen wir nicht nur den Cerro del los Siete Colores, den Berg der sieben Farben. Ein junger Spray-Künstler verschönert gerade eine lange Dorf- mauer mit interessanten Motiven aus der Gegend. Er bittet uns um ein paar Pesos, damit er an seinem Werk weiter- arbeiten kann. Die vielen Spraydosen kosten. Seine künst- lerische Arbeit fasziniert uns. Purmamarca ist auch ein be- liebter Touristenort, viele leben davon. Wir geben ihm einen Beitrag und dürfen ihn bei der Arbeit fotografieren.
30 Kilometer vor Tres Cruces zweigen wir ab auf eine schmale Naturstrasse, die zum kleinen, abgele- genen Bergdorf Iruya führt. Den Ausflugstipp haben wir von anderen Reisenden erhalten. Doch in den letzten Tagen hat es viel geregnet und die Fluss- durchquerung ist für unser Fahrzeug nicht möglich. Zuviel Wasser! Es gibt keine Brücke über den sehr breiten Fluss und das Dorf ist je nach Wasserstand nicht erreichbar.
Einheimische warten mit ihren Pickups beidseits vor dem Fluss. Sie kennen die Situation. Der Fluss selber ist nicht das Problem. Zwischen der Naturstrasse und dem Fluss gibt es eine ca. 20 m lange aufgeweichte Sumpflandschaft, wo man gleich einsinkt und im Schlamm ersäuft. Nichts für uns! Wir beobachten, wie die Einheimischen ihre Kinder durch den Fluss tragen, damit sie nicht weggespült werden. Gerne hätten wir das kleine Bergdorf Iruya besucht, doch hier bestimmt die Natur, resp. die Wassermenge, ob es erreichbar ist. Würde man ein schmales Betonfundament durch den Fluss legen und einen Anschluss an die Strasse beidseits des Flusses bauen, könnten man die Flusslandschaft bei diesem Wasserstand problemlos queren. In unserem Reise- führer steht: „Der Nordwesten Argentiniens mit den Provinzen Tucumán, Catamarca und La Rioja gehören zu den ärmsten des Landes“. Ja, das können wir bestätigen. Diese drei Kinder warten auf dem Pickup, bis ihr Vater den Fluss queren kann.
Die Ruta 40
Wenn eine Route das Prädikat „ die längste Strasse der Welt“ trägt, dann ist ihre Länge wirklich ganz gewaltig. Wir haben auf der letzten Reiseetappe, bis auf wenige Kilometer, den südlichsten Punkt der Ruta 40 besucht. Er liegt südlich von Rio Gallegos. Der Kilometer „Null“ liegt beim Cabo Virgenes. Nun haben wir diesen Monat den Endpunkt der Ruta 40 erreicht. Er liegt in der Ortschaft La Quiaca, ein paar Kilometer von der Grenzstadt Villazón entfernt. Wir sind jetzt im Norden von Argentinien. Eine Strassen- tafel mit der Aufschrift Ruta 40, ohne Kilometer- angaben, konnten wir ausfindig machen.
Ob die letzten paar Strassentafeln mit den Kilometer Angaben noch nicht montiert, oder ob sie als begehrte Souvenirs von Reisenden mitgenom- men wurden, wissen wir nicht. Tja, wo kann man in einem Land auf einer Strasse 4885 Kilometer unterwegs sein, mit der gleichen Nummer, ohne die Landesgrenzen zu überqueren? Die „Cuarenta“ verläuft im Westen den Andenkordillieren entlang nach Süden. Etwas östlich von Puerto Natales, bei El Turbio, quert sie noch die schmale Kontinent-Spitze zum Atlantik. Die Ruta 40 hat viele Gesichter. Nicht nur die Strassen und Pisten zeigt sie dem Reisenden in allen Variationen. Auch was die zahlreichen Naturschönheiten entlang der Strecke betrifft, kann sich sehen lassen. Es gibt kaum etwas, dass die aussergewöhnliche Strasse dem Besucher nicht bieten kann.
Im Süden der Wind, die Weite, der Staub und Schotter, begleitet von einer Einsamkeit und Ruhe. Etwas weiter nach Norden begegnen dem Besucher die Regenwälder, die Naturreservate, Seen und Flüsse und einsame Ortschaften in traum- hafter Umgebung. Wir haben sehr viele Kilometer, auf dem Weg nach Feuerland und jetzt wieder auf der Reise in den Nord-Osten von Argentinien, auf dieser Strasse zurückgelegt. Wir hassten und wir liebten sie, mal mit, mal ohne Staub. Lange Baustellen, viele Kilometer Wellblechpisten mit Schlaglöchern, aber auch gute, neue Asphalt- strassen lernten wir kennen.
Mit wenigen Ausnahmen war die Ruta 40 meist trocken und gut befahrbar. Oft fuhren wir auf der berühmten Strasse eher wie auf einem kleinen Feldweg, andererseits schlängelt sie sich elegant auf einem breiten, modernen Strassentrasse durch die weite Landschaft. Als wir in der Grenzstadt Villazón die Stras- sentafel mit der Aufschrift „Ushuaia 5121 Kilometer“ ent- deckten, waren wir uns einig, Argentinien hat eine Nord-Süd- Ausdehnung, die sich kaum auf einer Reise entdecken lässt. Die vielen, vielen Kilometertafeln, mal alt, kaum lesbar, mal neu, gerade frisch montiert, behalten wir noch lange in guter Erinnerung.
Grenzübergang Argentinien – Bolivien
In dem kleinen Ort Villazón nehmen wir endgültig Abschied von Argentinien. Am Grenzübergang herrscht Betrieb, von Süd nach Nord, aber auch in umgekehrter Richtung. Kaum hatten wir unser Fahrzeug halbwegs unter das grosse Wellblechdach der Zoll- station abgestellt, entlädt sich ein gewaltiger Gewitter- und Hagelregen über die Stadt. Innert Minuten steht der ganze Grenzübergang unter Wasser. Eine dicke weisse Hagelschicht schwimmt wie ein Fluss durch die Strasse. Nur mit Gummistiefeln oder Barfuss können die Grenzgänger die Fahrspuren passieren. Das sehr grosse Wellblechdach gleicht einer schlecht eingestellten Dusche, überall rinnt und tropft es heftig. Auf der gegenüberliegenden Seite stürzt ein grosser Bach die Treppe hinunter direkt am Zollgebäude vorbei auf die Durchfahrt.
Ja, es ist Regenzeit und wenn die Schleusen offen sind, dann gibt es Wasser. Der hintere Teil von unserem Camper ist mit einer dicken Hagelschicht bedeckt. Wir halten unsere Pässe im Trockenen, sonst schwim- men uns noch die Einreise- und Ausreisestempel davon. Ob Grenzgänger oder Beamte, alle nehmen es gelassen. Klugerweise sind die Migrations-Büros etwa einen Meter höher als die Fahrbahn angeordnet, so dass die PCs und die Grenzbeamten im Trockenen arbeiten können.
Für die Ausreise brauchten wir über eine Stunde, da noch 8 Öster- reicher mit Motorrädern die Einreise im gleichen Büro bean- tragten und der Computer nicht funktionierte. Auf bolivi- anischer Seite hatten wir sehr schnell die Formalitäten er- ledigt und ein kurzer Blick in unseren Camper genügte der Beamtin. Wir sind wieder in Bolivien. Zwischen Villazón und Tarija übernachten wir in einsamer, hügeliger Umgebung. Zum zweiten Mal schlägt heute eine gewaltige Gewitterfront zu.
Tief schwarze Wolken ringsum bis zum Horizont. Fast anderthalb Stunden ununterbrochen nur Blitz und Donner und wir mitten drin. Diesmal regnet es in Strömen, aber kein Hagel. Wir schauen aus dem Fenster und werden ganz ruhig und klein. Ringsum gehen pausenlos Blitze zu Boden und erhellen die dunkle Nacht. Ein Naturschauspiel, das wir nicht so schnell vergessen.
Welcher Namen trägt diese Route: Tarija – Villa Montes?
Die Kurvenreiche?
Wir sind im Süden von Bolivien und suchen die Ruta 11. Eine Querverbindung West – Ost. Von der Ruta 1, die in den Norden nach Potosí führt, zweigt kurz nach Villazón
eine Naturpiste ab, die uns durch eine schöne Landschaft nach Tarija bringt. Es gibt im Süden von Bolivien nur diese Strecke, wenn man später nach Villa Montes weiterfahren will. Die Strecke Tarija – Villa Montes ist 226 Kilometer lang und wir brauchten zwei volle Tage. Die Land- schaft ist mit hügeligem Regenwald und vielen Schluchten durch- zogen. Die Naturstrasse ist sehr schmal und windet sich pausenlos, in unendlich vielen Kurven bergauf und bergab. Eigentlich gibt es fast nur Kurven, ohne gerade Zwischenstrecken. Die Kurven sind fast alle unübersichtlich und es ist ratsam die Hupe oft zu gebrauchen. Über weite Strecken ist die Strasse nur einspurig befahrbar. Es gibt aber viele Ausweichstellen.
Die Versorgungsroute?
Nein, wir sind nicht allein unterwegs. Zwischen der Ruta 1 nach Potosí im Westen, und der Ruta 9 im Osten, die von Villa Montes nach Santa Cruz de la Sierra führt, werden Güter auf grossen, schweren Lastwagen transportiert. Obwohl die Piste an vielen Stellen kaum 3 Meter breit ist, befahren Sattelschlepper und Lastwagen mit langen Anhängern diese Route. Die beladenen Lastwagen fahren oft im Zeitlupentempo durch die Urwaldpiste, die Leeren fahren aber rassig. Wie die Lastwagen-Chauffeure die sehr engen, steilen Kurven meistern, bleibt uns ein Rätsel.
Die staubige Piste kündigt uns mit einer grossen Staubfahne die Lastwagen von weitem an. Wir suchen die nächste Ausweich- stelle und warten, auch wenn’s dauert. Die Lastwagen in allen Grössen bleiben auf der Spur, der Rest, ob PW oder Buschtaxi, Tiere wie Rinder, Schweine, Esel oder Hühner, müssen weg. Heute haben wir gesehen, wie der Süden von Bolivien versorgt wird. Von vielen Chauffeuren ernten wir einen Dank für unser rechtzeitiges Ausweichen, sei es mit einem Hupsignal und oft auch mit einer „Daumen-nach-oben“ Geste.
Die Gefährliche?
Sicher ist diese Strecke nicht jedermanns Sache. Nicht schwindelfreie Chauffeure sollten sie meiden. Da führen mehrere Strassenabschnitte, lange und kurvenreich, den Felswänden entlang. Die Fahrspur bietet Platz für einen Lastwagen plus 50 cm, dann geht’s gleich senkrecht in die Tiefe, an manchen Stellen mehrere hundert Meter. Auf der anderen Seite steht die senkrechte Felswand, die zum Teil noch überhängend auf die Fahrbahn ragt. Auf der ganzen Strecke gibt es keine Sicher- heitsplanken oder Absturzsicherungen, nada, nada. Konzen- triertes Fahren an den Felsen entlang ist ein Muss.
An einigen sehr gefährlichen Strassen- abschnitten stehen Bau- arbeiter mit Funk, ausge- rüstet mit grüner und roter Flagge. An diesen Stellen ist kein Kreuzen möglich. An einigen Stellen hat man in die senkrechte Felswand eine Fahrspur gesprengt, die sich noch kurvenreich der Felswand entlang windet. Aus Sicherheits- gründen haben wir an diesen Stellen nur Fotos vom Auto aus gemacht. Wir wagten nicht auszusteigen. Einen Schritt zurück und man verschwindet für immer in der Tiefe.
Wir waren jeweils froh, wenn unser Camper noch einen Meter in der Breite übrig hatte, und die Kabine nicht an der Felswand kratzte. Die Gefährliche? Das können wir bestätigen. Als uns in Tarija der Regenwald verschluckte, hatte es geregnet und die Piste war nass, schlammig und matschig. Nur mit 4x4 und gutem Pneu-Profil fanden wir Halt und rutschten nicht seitlich weg. Aussergewöhnlich viele Wegkreuze, geschmückt mit Papier- und Stoffblumen in allen Farben, lassen uns noch vorsichtiger fahren. Nun wollten wir es auf dieser Strecke genauer wissen. Regine notierte jedes Kreuz, manchmal standen zwei oder mehrere beieinander. Alles tödliche Unfälle, oft in den Kurven, wo es s’Loch runter geht. An einem sehr gefährlichen Ort standen 25 Kreuze, jedes für ein Menschen- leben. Zwischen Tarija und Villa Montes auf 226 km notierte Regine 86 Kreuze, resp. Todesopfer. Trotz den vielen Ermahnungen von den schön geschmückten Grabstätten entlang der Strasse, begegneten uns auch Pw’s und Colectivos, die nur eine schnelle kurze Fahrzeit im Kopf hatten und die Gefahren ausblendeten. Übrigens, hier wird auch nachts in völliger Dunkelheit gefahren. Tja, die Gefährliche ist vielleicht der richtige Name. Der Verzicht auf spektakuläre Fotos zu Gunsten der Fahrsicherheit hat sich für uns gelohnt.
Die Interessante?
Zwischen Tarija und Villa Montes gibt es nur ein grösseres Dorf, Entre Rios. Kleine Ortschaften und Häuseransiedel- ungen gibt es mehrere. Oft stehen nur ein paar Adobe-Häuser an der Strasse, weitere Häuser etwas entfernt, verschluckt der Regenwald und sieht man kaum. Hier leben die Einheimischen mit ihren Tieren, den Rindern, Geissen, Eseln, Schweinen, Hühnern und Hunden. Dort wo es die Hügellandschaft zulässt haben sie im Regenwald kleine Felder angelegt. Wir sehen gerodete Flächen, wo Kartoffeln, Mais und Gemüse wachsen.
Der grösste Luxus auf dieser Strecke für die Einheimischen dürfte die Stromleitung sein und die zahlreichen Flüsse und Bäche, die wir meist aber nur mit sehr geringen Wassermengen sahen. Einzelne Orte bieten den Chauffeuren eine einfache Verpflegungsmöglichkeit mit einer Strassenküche. Als ein Bauer einen grossen schweren Sack auf der Schulter quer durch die Flusslandschaft trug, wollten wir wissen, was er da auf der anderen Flussseite geerntet hat. „Papas, Papas“, sagte er mit Stolz und legte den Kartoffelsack auf die anderen, die er bereits am Strassenrand abgelegt hatte. Irgendein Lastwagen nimmt sie mit für den Markt in Entre Rios oder Villa Montes.
Die Technik hat auch in dieser Landesgegend längst Einzug gehal- ten. Handys, Satelliten-Schüssel oder Solarkollektoren haben auch hier ihren Platz. Die Strasse als Lebensader kann man nicht ver- lassen, der dichte, unwegsame Dschungel bietet keine Wander- wege. Zu Fuss ist man hier nur auf der Piste, zum Haus oder zum Feld. Wo nicht gerodet wurde, gibt es kein Durchkommen. Unsere Übernachtung auf dieser Strecke, nur ein paar Meter von der Strasse entfernt, werden wir nicht so schnell vergessen. Neben den Geräuschen vom Regenwald begleiteten uns diesmal auch ein paar laute Lastwagen in den Schlaf. Hier wird auch nachts gefahren, für uns unvorstellbar.
Wenn die Schweiz an der Tankstelle nicht existiert, dauert es länger!
Diesel auffüllen in Santa Cruz / Bolivien
Tja, an einer Tankstelle als Tourist offiziell Kraftstoff zu tanken, ist nicht immer einfach. Während bei uns zu Hause ein Tankstellen-Stopp meist nur ein paar Minuten dauert, sind in Bolivien oft gleich mehrere Personen involviert. Santa Cruz de la Sierra ist eine grosse Stadt (ca.1,5 Mio. Einwohner). Wir haben am Abend zur Stosszeit die Stadt vom Süden nach Norden durchquert. Der Strassenverkehr ist so verrückt, dass selbst mehrere Schweizer Grossstädte zusammen, den Verkehr mit dem 10-fachen multipliziert, der Stadt Santa Cruz kaum die Stirn bieten kann. Die Fahr- weise der Bolivianer ist schlicht ausgedrückt, katastrophal! An grösseren Kreuzungen, wo für jede Fahrbahn drei oder vier Fahrspuren zugeordnet sind, fährt man auch bei Rot über die Kreuzung und blockiert die ganze Kreuzung für den querenden Verkehr. Nun tritt die Hupe in Aktion, jede kleinste Lücke wird gleich gefüllt, jeder Meter zählt! Jeder schiebt sich Meter für Meter, mal links, mal rechts am Vordermann vorbei, unabhängig was die Ampel anzeigt. Der bolivianische Fahrstil ist wirklich bemerkenswert, niemandem den Vortritt lassen, selbst Blinker und Handzeichen sind völlig nutzlos. Für die Bolivianer gilt, Gas geben und sofort jede kleinste Verkehrs- lücke zustopfen. Tja, andere Länder, andere Verkehrssitten.
Etwas gelassener und ruhiger ist die Arbeit an der Tankstelle. Das leidige Thema mit dem Kraftstofftanken kennen viele Reisende. Wir als Touristen zahlen in Bolivien für einen Liter Diesel zurzeit 8.88 Bolivianos, SFR 1.26, was uns nicht stört. Wir sind Gäste in diesem Land und können es uns leisten. Für die Einheimischen liegt der Dieselpreis bei ca. 47 Rappen pro Liter. Nun stehen wir an einer grossen, modernen Tankstelle in der Stadt. Die sehr freundliche und festlich gekleidete Dame gibt in ihrem Tankstellen-Computer-System den Namen „Suiza“ ein und macht
grosse Augen. Nein, die Schweiz existiert nicht, gibt es nicht. Zwei uniformierte und bewaffnete Beamte, die die Tankstelle beaufsichtigen, treten an den PC, und drucken die Länderliste aus. Der Beamte zeigt uns den Papierstreifen, wo 18 Länder notiert sind, der letzte Name auf der Liste ist Surinam. Der Rest der Welt wird ausgeblendet. Noch kommen zwei weitere Frauen an unsere Tanksäule und zu fünft versuchen sie das schwierige Problem zu lösen. Bereits liegen zwei Quittungsblöcke bereit, um die notwendigen Formalitäten schriftlich festzuhalten. Sie schaut dreimal auf unsere Autonummer und vergewissert sich, dass wir aus der Schweiz sind. Ja, 5 Angestellte bemühen sich jetzt, dass sie uns ein paar Liter Diesel legal verkaufen können. Wir haben Zeit und kennen das Übel. Schlim- mstenfalls übernachten wir gleich an der Tankstelle, bis sie das Problem gelöst haben.
In diesem absurden, bürokratischen System sind auch die eigenen Landsleute überfordert. Wir helfen ihnen bei der Problemlösung und suchen unsere letzte Tankstellen-Quittung von Villa Montes hervor. Sie wird eindringlich studiert, analysiert und mit weiteren Eingaben wird der Tankstellen-PC gefüttert. Obwohl wir noch kein Diesel tanken können, füllt eine Dame die zwei Quittungszettel mit den vielen Angaben aus. Der Gedanke, dem netten Personal zu erklären, dass in der Schweiz der Autofahrer selber an der Tankstelle auffüllen und mit Bargeld oder Kreditkarte bezahlen kann, unterlassen wir. Der Kulturschock wäre zu gross! In der Zwischenzeit sind bereits gut 20 Minuten verstrichen. Und wie immer in solchen Fällen, gibt es ja eine „Drittwelt-Lösung“! Nach mehreren Eingaben am PC, mit Hilfe unseren alten Quittungen, spukt der Tankstellen-PC ein OK aus. Geschafft! Wie sie den PC überlistet hat, ist uns egal, Hauptsache unser Tank wird aufgefüllt. Anschliessend wird mit dem Taschenrechner mehrmals der Endpreis errechnet, alle Details notiert, und alles noch einmal überprüft. Das wachende Auge des Staates durch die beiden Uniformierten ist allgegenwärtig, Tag und Nacht. Tja, auch ein Tankstellen-Stopp ist in diesem Land für uns eine Geschichte wert. Die Frage, warum kommt das Land nicht vom Fleck, erübrigt sich.
San José de Chiquitos – San Rafael –
San Ignacio de Velasco
Wir sind unterwegs nach Norden. Trotz Regenzeit versuchen wir ins Amazonasbecken vorzustossen. Das Städtchen San José de Chiquitos haben wir bereits auf der letzten Reise- etappe ausführlich besucht. Wir sind wieder in der Gegend, wo die Jesuiten vor mehr als 250 Jahren ihre Siedlungen, genannt Reduktionen, mit den Einheimischen aufgebaut haben. In San Rafael, Santa Ana und in San Ignacio be- sichtigen wir die sehr schön restaurierten Kirchen.
Die Jesuiten siedelten die Menschen in Dörfern an, die sie gründeten. Die Ausbildung zum Handwerk, Landwirtschaft, Musik und Architektur war ein wichtiger Bestandteil im Alltag der Reduktionen, begleitet von der Verkündigung des Evan- geliums. Ihre hohe handwerkliche Kunst von damals wurde sorgfältig restauriert. Heute sind diese Orte bei den Touristen beliebt und für die Dorfgemeinschaften eine Einnahmequelle. Unsere Unterkunft in San Ignacio de Velasco ist bei der Schweizerin Christa und dem Deutschen Horst. Über 40 Jahre sind sie schon in Bolivien. Sie kennen Land und Leute und beherbergen auch Touristen. Ihr schönes Haus im Dorf, Casa Suiza, ladet ein zum Verweilen. Wir sind herzlich Willkommen.
Christa hat in den letzten Jahren zwei Geschichten-Bücher in Versform geschrieben und veröffentlicht. Jetzt arbeitet sie am dritten Buch. Am Abend sitzen wir zusammen und erfahren viel von ihren Tätigkeiten im Lande. Eine Kostprobe aus ihrem neusten Buch lassen wir uns nicht entgehen und staunen über die dichter- ische Begabung.
Am Samstagvormittag gehen wir gemeinsam auf den Markt in San Ignacio. Später dürfen wir noch mit Horst eine Ausbildungsstätte für Schreiner besuchen. Andreas aus Österreich hat hier eine eindrückliche Ausbildungsstätte für junge Leute aufgebaut, die sich sehen lassen kann. Mit viel Herzblut setzt er sich für die jungen Menschen ein und gibt ihnen eine Zukunftsperspektive.
Er nimmt sich Zeit für uns, und wir können Fragen stellen. Mit ein- fachsten Einrichtungen, Maschinen und Werkzeugen versucht er Stühle, Tische, Schränke und andere Möbel herzustellen, alles aus Massivholz. Er ist mit einer Bolivianerin verheiratet und versucht mit seiner Ausbildungsstätte und Schreinerei über die Runden zu kommen. Ein wirklich harter Job. Er erhält keine Unterstützung weder vom Staat noch vom Dorf. Im Gegenteil. Die Massivholz- Beschaffung ist für ihn ein grosses Problem, da fast alle Bäume exportiert werden. Ja, eine verrückte Welt! Ein grosses Danke- schön an Christa, Horst und Andreas. Ihr habt uns alle mit vielen Infos und interessanten Geschichten reich beschenkt. Muchas Gracias! Mit vielen neuen Gedanken über das Land Bolivien machen wir uns auf den Weg nach Osten.
Von San Ignacio de Velasco nach San Matias zum
Grenzübergang Bolivien / Brasilien
Wir nehmen es vorweg. Diese 326 Kilometer durch den Dschungel werden wir bestimmt nie, nie mehr fahren! Wenn uns gar die Einheimischen fragen, ob man in der Regenzeit hier durchkommt, dann ist die Route ein wahres Abenteuer, noch mehr eine Geduldsprobe. Wir sind ja schon viele unwegsame Routen gefahren, und so schnell geben wir nicht auf. Was uns da aber auf den 326 Kilometer Erdpiste an Pistenzustand begegnet, sprengt alle Grenzen.
Auf unserer Karte ist die Piste von San Ignacio de Velasco bis San Lorenzo gar nicht eingezeichnet. Wir befinden uns im Nord-Westen vom Pantanal. Die Route verläuft parallel zur brasilianischen Grenze, die auf der Karte mit einem Lineal Strich eingezeichnet ist. Nur ein paar wenige Kilometer, und man ist in Brasilien, aber es gibt keine Strasse, bestenfalls Dschungel- wege, die man zu Fuss gehen muss. Auf dieser Strecke be- gegnet uns kein Touristenfahrzeug, nur ein paar dreckver- schlammte Busse, deren Farbe man kaum erkennen kann. Wir fahren vorsichtig, denn die aufgeweichte, schlammige, löch- erige Schlagloch-Erdpiste ist über viele Kilometer auf einem schmalen Damm angelegt, die durch das riesige Sumpfgebiet führt. Tja, 10 Stunden unterwegs sein, für gerade mal 100 Kilometer, und dies während 3 Tagen, ist eine echte Herausforderung.
Die interessanten Hörbücher lassen uns die Dschungelstrecke kürzer erscheinen. An vielen Orten würden wir gerne aus- steigen und tolle Details fotografieren, doch die tiefen Spur- rinnen mit Wasser gefüllt, schlammig und löcherig, verhindern dies. Ja, Gummistiefel könnten hier nützlich sein, doch nach mehrmaligem Aussteigen hätten wir auch noch im Fahrer- raum ein Sumpfgebiet samt Schlammpiste. Der Gedanke hier mitten auf der Strecke eine Panne zu haben, verdrängen wir. Zum Glück sind Fahrzeugbegegnungen sehr selten, denn ein Ausweichen ist an vielen Orten nicht möglich, ausser man fährt oder rutscht die steile Böschung hinab. Von der Strasse wegfahren ist praktisch unmöglich, ausser ein paar Lehm- ziegelhäuser bieten eine Ausweichstelle. Beidseits der Piste wird viel Regenwald gerodet und für die Rinderherden die Landschaft planiert.
Am späteren Nachmittag schauen wir bereits für einen Über- nachtungsplatz. Die Rinderfarmen sind riesig und nur dort wo das Einfahrtstor zum Grundbesitzer von der Piste abzweigt, sind ein paar Meter Strasse frei. Zwei Nächte stellen wir unseren Camper vor die Einfahrt, deren Tore immer mit Schloss und Kette ver- riegelt sind. Am führen Morgen nach der zweiten Nacht hören wir das Getrampel und Muhen von Rindern auf das Einfahrtstor zukommen. Mehrere Gauchos treiben eine grosse Rinderherde von der Farm durch das Eingangstor an unserem Auto vorbei. Am Schluss der Herde zeigt sich der stolze Besitzer auf dem Pferd.
Er begutachtet uns, wir dürfen ihn fotografieren. Auf unsere Frage viele Rinder auf seiner Farm leben, meinte er, etwas über 500 Tiere. Tja, die brauchen viel Platz für ihr Futter. Die Wettersituation wechselt laufend ab. Mal Sonnenschein, mal Nieselregen, oft schüttet es kurz aus vollen Kübeln. Besondere Aufmerksamkeit schenken wir den desolaten Holzbrücken. Die Inspektion zu Fuss haben wir uns angewöhnt. Zu gross das Risiko, auf der schmalen Holzbrücke stecken zu bleiben. Fehlende, gebrochene Holzbalken, vorstehende, lange Nägel, Löcher auf der Fahrbahn und anderes mehr. Regine entdeckte auf einer Brücke einen Stacheldraht, mit welchem die losen Bretter zusammen gebunden waren. Eine gute Kontrolle spart viel Ärger.
Wo können wir den Einreise-Stempel im Pass erhalten?
Wenn wir an Europa denken, können wir wenn es nötig ist, unseren Pass an der Landesgrenze abstempeln las- sen und die Zollformalitäten erledigen. In Brasilien ist dies ein bisschen anders, wenn man vom Dschungel in die Zivilisation kommt. Wir haben gerade das kleine, unscheinbare „Migrations-Büro“ im kleinen Ort San Matias in Bolivien gefunden. Durch mehrmaliges Fragen bei den Einheimischen kreisten wir den Radius im Dorf immer enger ein. Für einige Dorfbewohner war das Migrations-Büro etwas Unbekanntes. Als wir den bolivianischen Ausreisestempel im Pass hatten, waren noch gut 10 Kilometer Erdpiste bis zur Grenze zu bewältigen. Es folgte noch eine letzte Militär-Kontrolle auf bolivianischer Seite.
Nach ein paar Hundert Metern erblicken wir die brasilianischen Grenzbeamten, die alle Fahrzeuge auf unerlaubte Lebensmittel, Waffen und Drogen überprüfen. Viele mussten ihre Weihnachts-Einkäufe auspacken, Kofferraum und Wageninneres wurden gründlich überprüft. Auf unsere Frage, wo wir den Einreise-Stempel erhalten können, sagten sie, dies sei im 100 Kilometer entfernten Cáceres. Ein kurzer Blick in den Kühlschrank genügte dem Beamten und wir hatten freie Fahrt. Eine sehr gute, fast neue Teerstrasse begrüsste uns. Nach über 300 Kilometer übelster, nasser, weicher, schlammiger, löcheriger Erdpiste, ein Weihnachtsgeschenk! Wir sind in Brasilien!
Nach knapp einem Kilometer erblicken wir ein sehr gros- ses Gelände, eingezäunt mit modernen Gebäuden. Die Zollabfertigung für den Güter- transport. Wir erkunden uns nochmals bei zwei Beamten betreffend Einreisestempel. In der Stadt Cáceres, war ihre Antwort. Wo wissen sie nicht. Zum Glück brauchen wir für die knapp 100 Kilometer nicht mehr 10 Stun- den, wie in Bolivien. Entspannt fahren wir durch eine grüne, gerodete Landschaft, deren Rinder sich in den riesigen Weiten verlieren. Beidseits der Strasse zeigen sich auch ausgedehnte Sumpfgebiete mit ihrer Flora und Fauna. Wir sind im Nord-Westen vom Pantanal, das grösste Feuchtsavannengebiet der Erde. Wir hatten auf unserer letzten Reiseetappe diesen Freiluft-Zoo besucht.
In Kürze haben wir die Stadt Cáceres erreicht. Sie liegt am Rio Paraguai, hat ca. 85‘000 Einwohner und ist das Angel-Paradies im Pantanal. Nun, fischen wollen wir nicht, der Stempel im Pass für den legalen Aufenthalt ist uns wichtiger. Wir fragen uns durch, wo in der grossen Stadt das Migrations-Büro ist. Und da die Bürger dieser Stadt dies auch nicht brauchen, interessiert dies niemand. Regine gibt im Navi „Policia Federal“ ein und eine Weile später parken wir vor einem grossen Polizeigebäude. Wir zeigen die Pässe und die Beamten erklären uns, dass sie für dies nicht zuständig sind. Sie reden mit uns portugiesisch, als ob wir Einheimische wären. Sie wissen zwar, was wir benötigen, doch wo das Büro in der Stadt ist, wissen sie nicht. Die Hilfsbereitschaft der Brasilianer ist gross.
Ein Uniformierter holt in einem Büro einen englischsprechenden An- gestellten, der sich unser Problem anhört. Er verschwindet in seinem Büro und kommt etwas später mit einem PC-Ausdruck zurück, der die Adresse und die Route zeigt. Dann ruft er noch an und erkundigt sich betreffend Öffnungszeiten. Pingo! Das reicht heute noch, meinte er, und wünschte uns alles Gute. 20 Minuten später parkieren wir vor dem kleinen unscheinbaren Haus, das mit „Policia Federal“ angeschrieben ist. Der Beamte gibt uns 90 Tage Aufenthalt, wir können noch drei Monate verlängern, erklärte er uns. Das wäre geschafft!
Von Cáceres nach Porto Velho – 1233 Kilometer durch den Regenwald!
Unser Navi schluckt den Namen Porto Velho locker weg, und meldet, dass es nur noch 1233 km sind. Tja, hätten wir diese Strecke vor 100 Jahren auf einer Erdpiste zurück- gelegt, hätten wir bestimmt noch viel Regenwald bestaunen können. Heute, resp. in den letzten Tagen, gab es zwar noch viel, viel Regen, aber der Wald ist beidseits der BR 174 und BR 364 verschwunden, mit wenigen Ausnahmen. Die gute Asphaltstrasse macht es möglich, dass Porto Velho das ganze Jahr erreichbar ist. Auch in der Regenzeit. Die urbar gemachte Landschaft bietet den grossen Rinderherden viel Platz. Entlang der Route sehen wir auch sehr grosse Felder, auf denen immer das gleiche „Grünzeug“ ,Bohnen ähnliche Stauden, angepflanzt ist. An einem Ort schauen wir auf den Tacho und stellen fest, dass es Felder gibt, die 30 und mehr Kilometer lang sind, und ihre Breite sich irgendwo am Horizont verliert.
Einst war der Bundesstaat Rondônia fast menschenleer. Mit seinen 240‘000 km2 ist das Gebiet mehr als 5-mal grösser als die Schweiz. In früheren Zeiten wurden viele mit dem Ver- sprechen einer kostenlosen Landzuteilung hergelockt. In diesem Bundesstaat leben ca. 1,3 Millionen Einwohner, ein grosser Teil in der Hauptstadt Porto Velho und in den Städten Ji-Paraná, Ariquemes oder Cacol. Glaubt man unserem Reiseführer, war und ist die abgelegene Gegend nicht ganz ungefährlich. Schwarz auf weiss steht: „Auf dem Fluss dümpeln Hunderte von Booten der Goldwäscher. Schwerbewaffnete Leibwächter schützen die Bootseigner vor Raubüberfällen. Ein Mensch stirbt schnell in Rondônia und keiner stellt Fragen. Es ist der „Wilde Westen“ Brasiliens.“ Soweit der Reisehinweis.
Wir sind gut in Porto Velho angekommen und versuchen uns in der Stadt zurechtzufinden. Die Stadt liegt am breiten Urwaldfluss Rio Madeira. Am Fährhafen, wo die Lastwagen, Container und andere Güter auf Pontons verladen werden, treffen wir einen Verantwortlichen, der uns die Mitfahrt nach Manaus für den nächsten Montag zusagt. Wir sollen in zwei Tagen am Morgen um 10 Uhr hier im Hafen sein. Alles klar! Das Amazonasbecken ist zum Greifen nah. Porto Velho liegt ja nur ein Steinwurf entfernt.
Ob uns die 4-tägige Flussfahrt auf dem Rio Madeira nach Manaus gelingt, darüber berichten wir im nächsten Monat. Über 1000 Fluss-Kilometer durch den Regenwald vom Amazo- nien, davon träumen wir schon lange! Tja, vielleicht platz- ieren sie unseren Camper mitten unter die Bananenberge.
Wir wünschen allen unseren Homepage-Lesern ein gutes Neues Jahr. Mögen auch eure Wünsche und Träume mit viel Freude und Spass in Erfüllung gehen!