Traumstrasse Panamericana – von Alaska nach Feuerland
Das Strassensystem der Panamericana umfasst ca. 48'000 km und durchquert 14 Staaten. Ausgangspunkt ist Fairbanks in Alaska. Diesen Ort  besuchten wir im Juli 2010. Der Endpunkt im Süden liegt in Ushuaia (Feuerland). Weil auf dieser schönen Route ein ganz kleines Strassenstück (etwa 100 km) fehlt, sprengt es allen  Reisenden ein grosses Loch in die Reisekasse. Die Carretera Interamericana geht zurzeit nur bis nach Yaviza. In diesem Ort endet die Traumstrasse Amerikas. Wer zu Fuss unterwegs ist, kann von Panama auf einem Dschungelpfad, Darién-Trek, nach Kolumbien einreisen. Davon wird aber dringend abgeraten, da man ein gesetz- loses  Kriegsgebiet durchquert. Weder die Behörden in Kolumbien noch in Panama sind in der Lage die Sicherheit der regionalen Bevölkerung sowie der Touristen zu garantieren. In dieser Grenzgegend wandert man direkt in Teufelsrachen. Der Besuch des Nationalparks Darién mit seinem tropischen Berg- und Regenwald ist zwar ein touristischer Höhepunkt. Doch der weite Abstecher in den Süden, um dann wieder auf der gleichen Strasse nach Panama Stadt zurückzufahren, macht wenig Spass. Hinzu kommt, dass man sich Zeit nehmen muss damit alles für die Verschiffung gut vorbereitet ist. So berichten wir für einmal nicht über die Naturschönheiten, sondern über den Ablauf der Verschiffung nach Cartagena, Kolumbien. Damit wir und unsere Homepage-Leser den Überblick der Verschiffung, resp. das Abholen des Fahrzeuges in Cartagena nicht verlieren, haben wir für einmal unsere Tätigkeiten mit konkreten Daten festgehalten. Zurzeit sind wir mit Alfred aus Deutschland unterwegs. Gemeinsam wollen wir die bürokratischen Hürden in Angriff nehmen.
Von Panama nach Cartagena in Kolumbien –
im 4x4 Geländegang durch die bürokratischen Berge!
Donnerstag, 24. Mai
Wir fahren nach Panama City und suchen einen Platz zum Übernachten. Auf der schmalen, kleinen Halbinsel Calzada Amador werden wir fündig. Ein riesiger Parkplatz in der Nähe vom Restaurant Al Dente. Campingplätze gibt es nicht. Wir erhalten ein Mail von der Panamericana-Ferry, dass die neue Fähre am 31. Mai 2012 nicht in Betrieb geht. Ein weiteres Verschiebungsdatum ist Anfangs Juli. Wir machen uns auf den Weg ins Stadtzentrum (Taxi) und suchen das Büro der Fährgesellschaft auf. Dort erhalten wird einen Check im Gegenwert des bereits einbezahlten Betrages.  Die Fähre hätte uns mit einem Retourticket, einfache Fahrt gibt es nicht, 938.- Dollar gekostet. So stehen wir mit Alfred im kühl klimatisierten Büro und warten auf den Check. Leider fehlt noch eine Unterschrift und die verantwortliche Sachbearbeiterin fordert uns auf, morgen noch einmal vorbeizukommen.

Samstag, 26. Mai
Alfred ist mit einem schönen Reisemobil auf der Panamericana unterwegs. Seine  Frau Nora ist zurzeit in Deutschland und wird später in Ecuador mit Alfred die Reise in den Süden fortsetzen. Heute wollen wir gemeinsam in seinem Reisemobil eine Trennwand zwischen Fahrerkabine und Wohnraum einbauen, damit die Schiffs- und Hafenarbeiter keinen Zugang zu den Einrichtungen haben.
Die Gefahr, dass im Hafen und während der Überfahrt immer wieder Gegenstände geklaut werden ist bekannt. So fahren wir am Samstagmorgen zu einem grossen Bau- und Holzwaren-Geschäft in einem Vorort von Panama. Wir suchen in einer grossen Halle eine dünne, preisgünstige Sperrholzplatte. Die ganze Platte kostete ca. SFR 15.-. Anschliessend machen wir uns auf dem Parkplatz an die Arbeit. Ausmessen, zuschneiden,  verschrauben und montieren, zu zweit macht das mehr Spass! Mit einem kühlen Bier in Restaurant Al Dente beenden wir die gelungene Montagearbeit.     
Sonntag, 27. Mai
Regine und ich besuchen den Panamakanal. Von der Aussichts- plattform der  Miraflores-Schleusen beobachten wir die Ein- und Ausfahrt der grossen und kleinen Schiffe. Über Lautsprecher werden die Besucher informiert. In diesem Abschnitt werden die Schiffe über die zweistufige Schleuse ca. 16,5 m gehoben resp. gesenkt. Eindrücklich wie die grossen Frachter im Zeitlupentempo vom Pazifik auf das Niveau vom Miraflores-See gehoben werden. Die schweren Diesellokomotiven stabilisieren die Schiffe in der Schleusenkammer während des Hebens bzw. Senkens. Mit einer Länge von 304,8 m und einer Breite von 33,5 m haben die Schleusenkammern beachtliche Ausmasse.
Zurzeit wird der Panamakanal erweitert. Im Jahr 2014 wird die dritte Fahrspur, wenn der Kanal den 100. Jahrestag seines Bestehens feiert, fertig gestellt sein. Dann verdoppelt sich die Kapazität auf dem Wasserweg. Die neuen Schleusen werden 427 m lang und 55 m breit. Jährlich queren mehr als 14'000 Schiffe den Kanal. Wir sind beeindruckt von diesem grossen Bauwerk. Der erste Spatenstich erfolgte im Jahr 1881. Eröffnet wurde der Kanal im Jahre 1914. Wir vertiefen uns in die Geschichte über die Erbauung des Panama- kanals und erfahren unter anderem, dass zeitweise die Organisation hochbürokratisch und chaotisch war.
Montag, 28. Mai
Fahrzeugkontrolle bei der Polizei – auch ein wenig bürokratisch und chaotisch!
Im morgendlichen Verkehr würgen wir uns durch die City und suchen den GPS-Platz N08.96664 und W079.54543! Um 9 Uhr stellen wir unsere Fahrzeuge in die Warteschlange und öffnen die Motorhaube. Wir melden uns im Büro. Wir müssen draussen warten bis die Fahrzeugkontrolle gegen 10 Uhr beginnt. Alle Reisende sind verpflichtet hier ihr Fahrzeug zu zeigen, wenn sie es wieder aus Panama ausführen wollen. Die PTJ (Policia Tecnica Judicial) überprüft, ob das Fahrzeug in keinen Unfall, Prozess, Busse, o.ä. verwickelt ist. Wir warten! In der Zwischenzeit haben sich 20 Fahrzeuge in einer Reihe aufgestellt. Reisende aus Kanada, USA, England, Holland, Deutschland und der Schweiz warten mit ein paar Einheimischen auf den Beamten. Es ist bereits 10.30 Uhr und zwei Fahrzeuge sind kontrolliert. Der Beamte in weissem Hemd und Krawatte ist ein kleiner König, der seine Macht ausspielt und sich ein bisschen schmieren lässt. Der Beamte sucht sich nach dem Zufallsprinzip Fahrzeuge aus, die er überprüfen will. Es geht nicht der Reihe nach. Uns fällt auf, dass der kleine König ein paar Dollarnoten in der Hand hält, wohl nicht für die Kontrolle. Wir warten. In den Händen halten wir 2 x 5 Kopien, Pass mit Einreisestempel, Fahrzeugausweis, Auto-Zollpapier von der Einreise, usw.. Hier überprüft der Beamte Passnummer, Motoren- und Chassisnummer, Farbe vom Auto, Nummernschilder und vieles mehr!
Von anderen Reisenden erfahren wir, dass hier am letzten Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag nicht gearbeitet wurde und deshalb hier so viele Fahrzeuge anstehen. Normalerweise fertigen sie hier 5-6 Fahrzeuge pro Tag ab. Zwar können wir das nicht überprüfen, aber was wir bis jetzt gesehen haben ist dies schon realistisch. Damit der Beamte nicht in den warmen Motorenraum schauen muss um die Nummern zu überprüfen, ist es Pflicht, die Motorhaube zu öffnen. So stehen Alfred, Regine und ich gute zwei Stunden in der Wartereihe. Plötzlich kommt der Beamte zu uns und verlangt alle Papiere. Jetzt überprüft er alle Kopien mit den Originalpapieren. Die Kontrolle, resp. das Abhaken der einzelnen Positionen auf seinem Formular dauert ca. 10 Minuten. Dann erhalten wir die Aufforderung, uns am Nachmittag um 15 Uhr auf der anderen Strassenseite beim „DIJ“, Drecction de Investigetion Judicial, das nötige Papier für die Ausfuhr abzuholen. Die bürokratische Mühle läuft!

Jetzt braucht das PC-System 5 Stunden zum Überprüfen ob unser Fahrzeug in einen Unfall oder eine Busse verwickelt ist. Vor Ort kann man nicht warten, es herrscht ein riesiger Baustellenlärm, es ist dreckig, und was die Sicherheit betrifft, auch nicht gerade der beste Ort. Wir kehren zurück auf den grossen Parkplatz, wo wir schon ein paar Tage stationiert sind.
Um 14 Uhr fahren wir mit dem Taxi zum „DIJ“ und Regine hütet beide Autos. An einem Werktag in Panama Stadt Auto zu fahren bringt nichts, Stau, Stau und nochmals Stau! Die Taxifahrten sind günstig, im Schnitt bezahlen wir für drei Personen total ca. SFR 3.- bis 3.50.  Beim Eingang in den Bürokomplex geht es chaotisch zu und her. Im Empfangsraum zeigen wir unsere Papiere und werden in ein hinteres Büro verwiesen. Im kleinen fensterlosen Raum warten ein paar Leute. Es gibt vier Stühle, alle sind besetzt. Wir stehen am Schalter und warten bis wir unsere Papiere abgeben können. Die Beamtin spricht nur Spanisch, dafür trägt sie eine Uniform. Zwischendurch geht sie an den PC, gibt Daten ein und druckt Kopien aus.
Die  Engländer und der Holländer, die wir am Morgen getroffen haben, erhalten ihre  Papiere und überprüfen alle Daten. Das sehr wichtige Papier ist voller Fehler! Die Namen sind falsch geschrieben, die Motorennummer ist nicht richtig eingetippt, die Fahrzeugdaten sind vertauscht. Sie geben die Papiere zurück. Erneut werden die Daten in den PC getippt und Kopien ausgedruckt. Auch beim zweiten Mal stimmen ihre amtlichen Dokumente nicht! Doch beim 3. Durchgang schafft es die Beamtin, dass die Unterlagen korrekt sind. Wir sind vorgewarnt, jeder Buchstabe, jede Zahl muss stimmen, sonst gibt es grossen Ärger bei der Ausreise. Alfred erhält später auch seine Papiere und ist glücklich, eine erste Hürde geschafft zu haben. Die Beamtin sucht meine Unterlagen in einem grossen Stapel Papier und erklärt, dass diese nicht hier sind.
Von der Schrecksekunde – zur Schreckstunde!
Ich muss in den Warteraum zurück, der bereits von gut einem Dutzend Leute belegt ist die warten! Bekannte Gesichter von der Fahrzeugkontrolle am Morgen warten bereits ¾ Stunden im Vorraum. Noch konnten sie ihre Papiere der Empfangsdame nicht vorweisen.  Muss ich morgen noch einmal zur Fahrzeug-Inspektion? Nach einer halben Stunde warten meint Alfred: „Komm wir gehen noch einmal in das Büro und schauen ob deine Papiere aufgetaucht sind.“ Wir schleichen uns davon. Wieder stehen wir am Schreibtisch, die Beamtin erkennt uns wieder. Sie sucht erneut im Papierstapel und findet meine Unterlagen. Ich atme tief durch, Glück gehabt! Ich prüfe alle Daten nach, unterschreibe und  erhalte das notwendige Papier mit Stempeln. Geschafft! Morgen können wir die Schifffahrtsgesellschaft aufsuchen und ein Ticket für das Auto bestellen. Ein ganzer Tag für diese Kontrolle, ein bürokratischer Unsinn mit vielen Kopien, Stempeln und Unterschriften.
Dienstag, 29. Mai
Mit unseren Autos fahren wir zur „ Wilhelmsen Ships Service“  wo uns Evelyn Batista erwartet. Was für ein Unterschied zu den gestrigen Büros. Kaum sitzen wir im Besprechungsraum wird Kaffee serviert. Die freundliche Evelyn hat sehr viel Erfahrung mit der Auto-Bürokratie von Panamericana-Reisenden. Sie kennt die Hürden, wenn man nach Südamerika weiterreisen will. Sie will unsere Ausreisebe- willigung für das Auto sehen, die jetzt 8 Tage gültig ist. Sie erklärt uns den Ablauf der Fahrzeug-Abgabe im Hafen von  Colón. Probleme gäbe es immer, meinte sie, aber ihr Agent in Colón und Cartagena kennen den Papierkrieg. Die knapp 1½  tägige Schiffsreise von Panama nach Kolumbien ist ein teurer Spass!  Der Transport mit dem Ro-Ro Schiff, hier wir das Fahrzeug in den Schiffrumpf gefahren, kostet zurzeit 60 US Dollar pro Kubikmeter. Das heisst, der Transport kostet etwa gleichviel, wie wenn man von Hamburg nach Halifax (Kanada) verschifft. Personen werden keine befördert, man nimmt das Flugzeug und wartet im Hotel, bis das Fahrzeug in Kolumbien ist. Das Ticket kann man nicht mit der Kreditkarte bezahlen, nur eine Banküberweisung oder Barzahlung ist möglich. Der Bancomat in Panama Stadt spuckt nur 20 Dollarnoten aus. So legen wir Evelyn ein Notenbündel von 111 Noten  à 20 Dollar auf den Tisch. Jetzt druckt sie alle notwendigen Unterlagen aus und wir haben die zweite Hürde gemeistert. Einen herzlichen Dank an Evelyn Batista für die kompetente Beratung.
Anschliessend fahren wir zum Fort San Lorenzo an der Karibikküste, wo wir unsere Reisetaschen packen und die Fahrzeuge auf die Abgabe im Hafen vorbereiten. Es ist sehr wichtig, dass nur die ausgeräumte Fahrerkabine zugänglich und alles Übrige im Fahrzeug hinten eingeschlossen ist. Nur so lassen sich Diebstähle verhindern. In unserem Fahrzeug räumen wir die Fahrerkabine aus und legen alles in die Wohnkabine.
Wir besichtigen das Fort San Lorenzo. Es wurde im 17. Jahr- hundert auf einem Plateau über der Mündung des Rios Chagres als Verteidigungsanlage gegen Piraten gebaut. Diese hatten es auf die begehrten Handelswaren der Spanier abgesehen. Mehrere schwere Kanonen sind noch auf das Meer gerichtet, als ob der englische Pirat Sir Francis Drake immer noch auftauchen könnte. Vom Fort aus haben wir eine schöne Aussicht auf die Mündung des Rios Chagres und auf das türkisfarbene Wasser der Karibischen See. Ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Die Ruinen aus groben, unförmigen Stein- blöcken könnten uns da einiges aus der Piratenzeit erzählen. Am Parkeingang vom Fort San Lorenzo übernachten wir gut bewacht.
Mittwoch, 30. Mai
Wir fahren über die Gatύn-Schleusen zum Hafen in Colón. Wir melden uns im Büro der Schifffahrtsgesellschaft und Alfredo führt uns durch die Dschungelbürokratie im Hafengelände. Bevor wir das Zollgebäude aufsuchen druckt er für uns mehrere Kopien aus. In einer chaotischen Baracke, die ein Face-Lifting schon lange nötig hätte, wird unser Fahrzeug aus dem Pass ausgestempelt. Ohne diesen roten Stempel können wir das Land nicht verlassen, dazu braucht es die entsprechenden Papiere. Also werden wieder Daten in den PC eingetippt, viele Kopien gedruckt, einige davon unter- schrieben und abgestempelt. Wir gehen zurück und stellen uns in die Warteschlange vom Hafengebührenschalter. Unsere beiden Fahrzeuge sind drei Tage zu früh im Hafen, das kostet 30.- USD. Jetzt fahren wir zum Hafeneingang, wo wir auf einem grossen Vorplatz parkieren. Das Hafengelände dürfen wir nicht betreten.
Mit Alfredo gehen wir zum Schalter „Tramite-Véhiculo“, wo er einen Stapel Papier unter die Durchreiche legt. Jetzt erfolgt erneut eine gründliche Fahrzeugüberprüfung. Wir warten! Alle Dokumente werden geprüft. Es beginnt zu regnen, es ist heiss und schwül. Ich blicke durch ein kleines Schalterfenster und entdecke an der Barackenwand  ein grosses Bild mit der Aufschrift: „Gott gib uns unser tägliches Brot“. Die Bildertafel ist mit Früchten reich illustriert. Wer hier einen Job hat, ist glücklich! Als das Fahrzeug und alle Papiere durchgecheckt waren, kontrollieren die Beamten mit einem Drogenhund unsere Fahrzeuge innen und aussen gründlich. Wir haben nichts zu verbergen! Ein weiterer Beamter notiert alle Fahrzeugschäden auf einem vorgedruckten Blatt. Kratzer, Beulen und andere Schäden werden notiert und fotografiert. Das Schadenprotokoll wird sehr ausführlich ausgefüllt und die Beschädigungen mit Fotos festgehalten. Alfred meint, wenn sie unsere Fahrzeuge beim Transport im Meer versenken, kriegen wir nur 800.- USD Schadenersatz pro Fahrzeug! Mehr gibt es nicht!
Jetzt benötigen wir die Frachtpapiere, damit wir in Kolumbien unsere Fahrzeuge wieder im Hafen herausholen können. Wir warten! Wieder werden Daten in den PC eingetippt und Kopien gemacht. Wir sollen unterschreiben, doch Stopp! Wir haben gelernt. Namen, Fahrzeug und andere Daten wurden chaotisch vertauscht und falsch eingetragen. Unser Agent gibt die Papiere zurück. Es wird korrigiert, neu ausgedruckt und kopiert. Kaum zum Glauben, auch bei der zweiten PC-Eingabe sind noch mehrere Fehler auf dem Dokument. Erst beim dritten Anlauf und einer Menge Kopien stimmen die Daten und wir unterschreiben. Es ist nicht Aufgabe der Beamten die Formulare auf ihre Richtigkeit zu überprüfen, wenn sie es ausdrucken. Nein, das ist die Aufgabe der Fahrzeugbesitzer. Wenn nur eine Zahl oder ein Buchstabe falsch ist oder fehlt, gibt es im Hafen von Cartagena Probleme. So dauerte unsere Fahrzeugabgabe im Hafen von Colón über vier Stunden. Wir erinnern uns. In Hamburg dauerte die Fahrzeugabgabe für die Verschiffung nach Kanada gerade mal 15 Minuten. Die Hafenbeamten steigen in unsere Fahrzeuge und fahren sie auf das Hafengelände.
Der Reiseführer schreibt über die Hafenstadt  Colón: „Der negative Ruf von einer gefährlichen, schmutzigen Stadt ist keinesfalls übertrieben. Ein grosses Ghetto aus kaum bewohnbaren, morschen Holzhäusern...   Achtung! In Colón kommt es ständig zu Überfällen, auch tagsüber. Vermeiden sie wenn möglich, dass sie sich zu Fuss in der Stadt bewegen... .“
Hier fühlen wir uns nicht wohl. Wir nehmen diesen Ratschlag ernst und fahren mit dem Taxi zur Busstation im Zentrum von Colón, wo wir in den Expressbus nach Panama City umsteigen. Der Bus ist voll und kaum unterwegs, läuft ein Horror-Video mit über einer Stunde Mord- und Todschlag. Der Film passt ausgezeichnet zur der ge- fährlichen Hafenstadt. Die Klimaanlage tropft in vollen Zügen auf die Polster, auch das gehört hier zum Alltag. Nach 1½ Stunden pflügt sich der Bus durchs Verkehrschaos von Panama Stadt und wir steigen bei der ersten Gelegenheit aus, damit wir unser Reisegepäck, das unten im Bus verfrachtet wurde, sichern können.  Mit dem Taxi fahren wir zum Hotel Discovery. Dort feiern wir mit Alfred die erfolgreiche Fahrzeugabgabe mit einem kühlen Bier. Normalerweise fliegt man nach Cartagena und wartet dort im Hotel und besucht die schöne Altstadt, bis das Fahrzeug im Hafen abgeholt werden kann. Wir lassen uns aber auf ein anderes Abenteuer ein.
Donnerstag, 31. Mai
Morgens um 5 Uhr warten wir in der Hotelhalle auf den Fahrer, der uns mit anderen Touristen zu den San-Blas-Inseln bringt. Von Panama Stadt fahren wir ostwärts nach El Llano, von dort nord- wärts ins Naturschutzgebiet  Nusagandi zur Karibik. Eine kurven- reiche Strasse führt uns durch eine urwüchsige Vegetation. In Carti Suitupo steigen wir in ein kleines Boot, das uns auf den Katamaran „Fritz the Cat“ bringt. Mit 20 Touristen aus über 10 Nationen machen wir einen fünftägigen Segeltörn, der uns nach Cartagena bringt. Der Katamaran mit 15 Meter Länge und 8,5 Meter Breite ist Hochsee tüchtig. Alfred, Regine und ich gehören zu den Senioren, die übrigen Reisenden aus aller Welt sind etwa zwischen 20 und 40 Jahre alt. Wie sich herausstellte, eine nette zusammengewürfelte Gruppe junger Leute, die singen, musizieren und „pura vida“ ge- niessen. Und wir Alten mitten drin.
Die San Blas Inseln sind eine Kette aus ca. 365 Inseln und Inselchen, die nur wenige Bootsminuten vom Festland entfernt liegen. Diese wunderschönen Inseln bilden die Heimat der Kuna Bevölkerung. Die panamaische Regierung garantiert die Souveränität der Kuna in ihrem als Kuna Yala  bezeichneten Territorium unter dem Dach der Republik Panama. Die Kuna  zeigen wenig Bedarf am modernen Lebensstil unserer Zeit. Sie halten an ihren Traditionen fest und führen einen eigenen, einfachen, sanften Tourismus auf den grösseren Inseln. Die Tracht der Kuna Frauen ist eine Augenweide und macht sie zu einem beliebten Fotomotiv. Allerdings verlangen sie für jedes „Klick, Klick“ aus der Kamera bereits einen US Dollar. Touristen sind nur auf bestimmten Inseln willkommen und wer individuell eine Insel besuchen will, benötigt eine Erlaubnis des jeweiligen Dorfrates oder des Kaziken.
Freitag, 1. Juni
Insgesamt sind 24 Personen auf dem Boot. Fritz der Kapitän (Öster- reicher), seine Lebenspartnerin Gülay, der Koch José und der neue, zukünftige Kapitän Juan aus Spanien. Regine und ich erhalten eine Doppelkoje und wir verstauen unser Gepäck. Alfred ist ein erfahr- ener Seemann. Er war früher oft mit Segelschiffen als Kapitän unter- wegs. Er sagte gleich: “Der Katamaran ist total überbelegt, es gibt nicht genügend Schlafplätze und viel zuwenig Platz am Esstisch.“ Den Nachmittag verbringen wir mit baden und schnorcheln im kristallklaren Wasser. In einer windgeschützten Bucht verbringen wir die zweite Nacht.
Samstag, 2. Juni
Nach dem Frühstück fahren wir zwei Stunden zu einer weiteren, sehr schönen Inselgruppe. Mit lesen, baden und schnorcheln ver- bringen wir die Zeit. Zwei Kuna-Frauen besuchen mit ihrem Einbaum den Katamaran und bieten Kunsthandwerk, speziell die farbenprächtigen, einzigartigen Molas zum Verkauf an. Sie tragen ihre traditionellen Kleider und sind zum Teil geschmückt mit farbenprächtigen Perlenschnüren um die Fuss- und Handgelenke. Die aussergewöhnliche Tracht ist eine Augenweide und macht die Kuna- Frauen zu einem beliebten Fotomotiv. Einheimische Fischer mit reichem Fang bieten ebenfalls Meer- früchte und Fische an.
An Bord hat es viel zu wenig Schattenplätze, so dass die Meisten ständig in der prallen Sonne vorne im Netz liegen oder in den Kojen Schatten suchen. Abends um 5 Uhr sticht der Katamaran in See. Mit Motor und Segel nimmt er Kurs Richtung Süden. In der Nacht erleben wir ein kräftiges Gewitter und der Katamaran trotzt den hohen Wellen wie eine Nussschale. Blitz, Donner und Regen verschafften uns ein unvergessliches Abenteuer. Regine und ich hatten alle Hände voll zu tun mit dem undichten Dachfenster. Das Wasser drang gleich kübelweise durch die vielen undichten Stellen. In anderen Kojen stellten sie ebenfalls Blechbüchsen auf, um das eindringende Wasser aufzufangen. Als die über das Deck peitschenden Wellen kleiner wurden, versuchten wir zu schlafen. Am frühen Morgen war das Meer wieder ruhig und der Katamaran „motorte“ mit Vollgas südwärts. Rundum nur Wasser und Sonnenschein.
Montag, 4. Juni
Morgens um 4 Uhr läuft der Katamaran im Hafen von Cartagena ein. Wir ankern im Hafen und können endlich schlafen, da der Motor abgestellt ist. Fritz fährt nicht mit dem Katamaran an eine Anlegestelle, so kann er die teuren Hafengebühren einsparen. Alle schlafen irgendwie, irgend- wo und sind müde. Noch ist nichts aufgeräumt vom gestri- gen Abendessen. Alle sind froh, so schnell wie möglich vom Katamaran zu kommen. Nach dem Frühstück, bereits zum vierten Mal das Gleiche, packen wir unsere Rücksäcke und warten bis wir mit dem kleinen Beiboot an eine Anlegestelle gefahren werden. Jetzt geht die ganze Gruppe mit Fritz per Taxi zum Immigrations-Büro, wo wir auf die Pässe warten. Am Mittag sind die Pässe fertig abge- stempelt und wir holen noch unser Reisegepäck vom Katamaran. Wir verabschieden uns von der Crew und der Gruppe und fahren mit dem Taxi zum Hotel La Magdalena. Ein sauberes Zimmer lacht uns entgegen! Abends bummeln wir durch die sehr schöne Altstadt von Cartagena und lassen uns mit einem feinen Essen (mit sauberem Geschirr) verwöhnen.
Fazit: Eigentlich ist ein solcher Segeltörn etwas Grossartiges! Vor- ausgesetzt er läuft nicht unter dem Motto „Abzocke“! Wir können diese Segeltour, resp. Motortour, gesegelt sind wir nie, nur mit vielen Vorbehalten empfehlen. Über das Essen, die Sauberkeit an Deck, die Hygiene rund um die Mahlzeiten und den Zustand des Katamarans wollen wir nicht berichten. Wir sind uns ja Einiges beim Reisen gewohnt, was wir aber hier erlebt haben, ist der Preis nicht wert! Der Besuch der schönen San-Blas-Inseln mit dem „richtigen Reiseveranstalter“, sofern es ihn gibt, ist aber ein besonderes Erlebnis.

Dienstag, 5. Juni
Morgens um 7 Uhr ruft Luis Ernesto La Rota, unser Agent, an, dass das Schiff aus Colón 6 Stunden Verspätung hat. So haben wir einen freien Tag in Cartagena. Um 8 Uhr gehen wir mit Alfred zum Morgen- essen. Anschliessend machen wir ein paar Einkäufe und spazieren durch die prächtige Altstadt.  
Mittwoch, 6. Juni
Um 7 50 Uhr  holt uns Luis Ernesto La Rota im Hotel La Magdalena ab und bringt uns mit Gepäck ins Hotel Bella Vista, etwas ausserhalb der Altstadt. Das wenig einladende Hotel hat einen geschlossenen Parkplatz, wo wir unsere Fahrzeuge parken und wieder einrichten können. Die Zimmertüren vom Hotel sind nur mit einem kleinen Vorhängeschloss abschliessbar, das durch zwei dünne Ringschrauben gesteckt wird. Regine bleibt im Hotel, während Alfred und ich von unserem Agenten in sein Büro chauffiert werden. Luis Ernesto und seine Frau Sonja haben grosse Erfahrung mit der Polizei-, Zoll- und Hafenbürokratie und können diesen Prozess entsprechend beschleunigen. Allerdings brauchen auch sie die amtlichen Formulare aus den PC’s  und wenn sie gleich zwei oder mehr Fahrzeuge auf einmal bearbeiten können, wird es günstiger. Sonja kopiert alle Unterlagen mehrmals und stellt diese in der richtigen Reihenfolge zusammen. Dann gehen wir mit ihr zu Fuss zum Zoll, wo für den Nachmittag ein Termin vereinbart wurde.  Nach 11 Uhr bringt uns Luis Ernesto, mit der Aufforderung uns um 13 30 Uhr wieder in seinem Büro zu melden, zum Hotel zurück . „Wenn wir Glück haben reicht es für heute Abend spät, sonst morgen im Laufe des Tages“, meinte Luis Ernesto. Da wir meistens mit dem Fahrzeug von Luis Ernesto unterwegs sind, sparen wir die vielen Taxikosten.
Um 13 30 Uhr fahren wir mit Sonja zum Hafen wo der Papierkrieg weitergeht. Der Hafen liegt ausserhalb der Stadt Cartagena. Wir warten in der Freiluftkantine der Hafenarbeiter. Die recht moderne Einrichtung passt sehr schlecht in die aufwändige, unüberblickbare Bürokratie. Eine Stunde später fahren wir zum Büro von Luis Ernesto zurück und warten weiter. Die Papiere müssen jetzt zuerst wieder an die nächsten Büros weitergeleitet werden.
Um 15 45 Uhr gehen wir mit Sonja zu Fuss zum grossen modernen Zollgebäude, wo sie wieder einen Stapel Kopien abgibt. Wir sitzen  in der Wartehalle mit ca. 40 weiteren Leuten, die alle mit warten beschäftig sind. Wir blicken durch die Glasscheiben in Büros und Schalter, überall laufen  die Kopier- und Druckgeräte auf Hoch- touren. Sonja und Luis Ernesto bemühen sich mit allen Mitteln unsere Fahrzeuge so schnell wie möglich herauszulösen, aber auch sie können den bürokratischen Hürdenlauf nicht beschleunigen, obwohl sie in allen Büros irgendwelche Beamten kennen. Längst haben wir den Überblick verloren, wo, was, wann, und  in welchen Büros die Prozedur weitergeht. Auch für unseren Agenten sind die bürokratischen Mühlen nicht nachvollziehbar. Er kennt allerdings die richtige Reihenfolge und welche Papiere,  Kopien und Originale wo abgegeben werden müssen. Um 16 15 Uhr müssen wir an einem Schreibtisch zwei Formulare unterschreiben, dann verlassen wir das Zollgebäude. Unterwegs kontrolliert Sonja die Papiere und wie könnte es anders sein, in Alfreds Papieren haben sie die Fahrgestellnummer falsch eingetragen. Da nützen auch PC’s und moderne Einrichtungen nichts, wenn die uniformierten, wichtigen Beamten nicht im Stande sind, Daten vom Auto und Pass richtig einzutragen. Sonja geht zurück, wartet diesmal nicht mehr in der Wartehalle. Der Beamte muss noch einmal alles neu in den PC eingeben. Diesmal kontrolliert sie gleich vor Ort am Schreibtisch. Es stimmt!
Um 7 50 Uhr haben wir gestartet, jetzt ist es bereits 16 30 Uhr und wir müssen in die Altstadt Cartagena fahren und eine dreimonatige Versicherung abschliessen. Es ist nicht ratsam ohne Versicherung durch das Verkehrschaos  der Stadt zu fahren. Um 18 Uhr haben wir den Versicherungsausweis, drei Monate kosten ca. 67 Franken. Das wäre auch geschafft.  Noch ist die „Bill of Lading“ nicht auf den PC’s  der zuständigen Behörden und deshalb meint Luis Ernesto, dass es heute zu spät werde, um das Fahrzeug aus dem Hafen zu holen. Und um Mitternacht wollen wir auch nicht im Dunkeln durch eine unbekannte Stadt fahren, wo jeder fährt, wo es eine Lücke gibt. Gegen 20 30 Uhr sitzen wir in der Altstadt beim Nachtessen und hoffen, dass sich morgen das Rad der Bürokratie ein bisschen weiter dreht.
Donnerstag, 7. Juni
Ein grosser Teil der Stadt hat kein Wasser, so auch unser Hotel Bella Vista nicht. Vor dem Zimmer stehen Plastikkanister gefüllt mit Wasser für das Wachwerden und die Toilette. Im kleinen Frühstücks-Restaurant in der Alt- stadt  El Gato hatte es auch keinen Strom und die Kaffeemaschine stand still. Es wurde improvisiert und wir konnten ein Müesli-Frühstück geniessen. Um 9 30 Uhr sind wir im Büro vom Agenten. Er informiert uns, dass die Bill of Lading im Schifffahrtsbüro eingetroffen ist und wir sie abholen können. Mit Sonja holen wir das Papier ab, wir unterschreiben wieder, dann fahren wir zum nächsten Büro, wo sie für uns alle Hafengebühren bezahlen muss. Dies dauert eine Weile. Hier zähle ich über 50 Leute die warten bis sie an die Reihe kommen. Der Volkssport hier heisst warten! Wir sind im Terminal Marikmo. Nach einer Stunde hat Sonja an zwei Schaltern alles erledigt, die Gebühren sind bezahlt. Jetzt gehen wir im gleichen Gebäude einen Stock höher und warten wieder. Später müssen wir dort wieder ein Formular unterschreiben, wir fragen schon lange nicht mehr für was und welchen Sinn das Papier hat. Die bürokratischen Mühlen laufen gemächlich, man hat Zeit zum Warten!
Im gleichen Warteraum sitzen auch die beiden Holländer, die mit uns in Panama City bei der Polizeikontrolle waren. Sie bewältigen die ganze Büro- kratie ohne Agenten. Sie sind bereits drei Tage an der Arbeit und haben ihr Fahrzeug immer noch nicht. Sie geben nicht auf. „Vielleicht haben wir morgen unser Fahrzeug,“ sagte einer lachend. Vier volle Tage Bürokratie um ein Fahrzeug aus dem Hafen auszulösen braucht doch sehr viel Geduld, Zeit und Geld. (Hotel- und Taxikosten)
Zum Glück sind die Warteräume  klimatisiert, draussen dürfte es gegen 35 Grad feucht heiss sein. Ich sitze neben einem Einheimischen der mit über 20 Kopien in der Hand auf seine Nummer wartet, bis sie vorne am Schalter aufleuchtet. Wir wechseln ein paar Worte. Auch er meint, die Hauptbeschäftigung rund um die Zoll- und Hafenabfertigung sei warten und kopieren. Er muss es wissen, seine tägliche Arbeit!
Obwohl Alfred und ich versuchen, auch nach dem 15. Bürobesuch und den vielen Dutzenden von Kopien ein wenig von der Bürokratie zu verstehen. Es gelingt uns nicht einen vernünftigen Zusammenhang zu sehen. Gegen 12 Uhr fahren wir zum Hafengelände „Contecar“ wo unsere Fahrzeuge stehen. Wir ziehen Helm und Warnweste an. Lange Hosen und geschlossene Schuhe sind Vorschrift. Wir müssen noch zwei weitere Büros hier im Hafen aufsuchen. Dann organisiert Sonja für uns einen Hafenarbeiter, der uns mit dem Pickup zu unseren Autos bringt, da wir nur Sandalen tragen und die geschlossenen Schuhe in den Fahrzeugen sind. Wir stehen vor unseren Fahrzeugen und atmen zuerst einmal tief durch. Keine Beschädigungen, nichts aufgebrochen, nur ein dicke Staubschicht liegt auf den Fahrzeugen. Alfred und ich fahren zur Hafenausfahrt, die Papiere werden an der Schranke überprüft, doch da fehlt wieder ein Papier. Zum Glück eilt Sonja auf uns zu und weiss was zu tun ist. Zurück ins Büro im ersten Stock, PC-Daten eingeben, kopieren, unterschreiben und jetzt haben wir das fehlende Schriftstück. Um 14 Uhr verlassen wir das Hafenareal und fahren vorsichtig zu Luis Ernestos Büro.
Für die Hafengebühren müssen wir 170 US Dollar bezahlen. Diese ineffiziente Bürokratie verschlingt Geld. Für die Arbeit von Sonja und Luis Ernesto samt ihrem Taxidienst von Büro zu Büro, vom Hafen zum Zoll, usw.  bezahlen wir 110 US Dollar pro Fahrzeug. Immerhin, sie haben für uns fast zwei Tage gearbeitet. Wenn sich mehrere Reisende zusammenschliessen wird die Agentenrechnung güns- tiger. Wir können Luis Ernesto La Rota und seine Frau Sonja nur weiterempfehlen, sie haben für uns eine sehr gute Arbeit geleistet. Herzlichen Dank!
Auf die Frage, was er von der neuen Autofähre halte, die im nächsten Monat zwischen Colón und Cartagena ihren Betrieb aufnehmen will, ist Luis Ernesto skeptisch. Er glaubt nicht, dass sie Anfang Juli ihren Betrieb aufnimmt. Er meint, dass die bürokratischen Hürden damit nicht abgebaut werden. Die zuständigen Büros von Polizei, Zoll, Hafen und der Versicherung werden kaum bei der neuen Fähranlegestelle zusammengefasst und damit wird der bürokratische Ablauf nicht erleichtert. Wir wissen es nicht. Doch die fehlende, rund 100 km lange Strasse, zwischen Panama und Kolumbien hat seinen Preis. Am 24. Mai kamen wir nach Panama City, am 30. Mai gaben wir das Fahrzeug im Hafen von Colón ab und am 7. Juni erhalten wir unser Fahrzeug zurück. Was die Reisekasse betrifft, sind das die teuersten Kilometer auf der Panamericana. Je nach Fahrzeuggrösse, Schiff, Flug, Hotel und Personen sind zwischen 3000 – 3500 Dollar zu kalkulieren.
Für das Retourticket der Autofähre, eine einfache Fahrt gibt es nicht, haben wir 938 Dollar einbezahlt. Das heisst, die Ausgaben würden, sofern die Fähre wirklich fährt,  auf unter einen Drittel sinken. Hinzu kommt eine enorme Zeitein- sparung. Die Frage bleibt: Wer hat eigentlich ein Interesse daran, dass sich bei der Verschiffung etwas ändert?

Unterwegs Richtung Süden – über Medellin, El Peñol nach Guatapé
Uns zieht es in die Höhe. Wir fahren durch ein wunderschönes Bergland und mit zunehmender Höhe sinken die Temperaturen. Bis nach Medellin sind verschiedene Hügelzüge auf kurvenreichen Berg- strassen zu bewältigen. Auf der Panamericana stauen sich die schweren Laster, sobald die Strassen ansteigen. Militär und Polizei sind gut präsent entlang der Hauptroute. Sie geben uns ein sicheres Gefühl und   lassen uns immer ohne Kontrollen passieren.  Wir begegnen freundlichen, hilfsbereiten und sehr herzlichen Menschen, die uns oft vom Strassenrand aus zuwinken.  Wir fühlen uns fast ein bisschen zuhause.  Manche Gegend zeigt sich in hügeligem, saftigem grün mit kleinen und grossen Viehherden. Sie laden ein zum Verweilen. Die Millionenstadt Medellin hat zwar einige Sehenswürdigkeiten, doch die Grösse der Stadt und das gewaltige Verkehrs- chaos ermuntert uns wenig, hier ein paar  Ferientage einzuplanen.
Uns zieht es aufs Land. Die kleinen, einfachen Dörfer bieten uns mehr. Östlich der Stadt Medellin entdecken wir eine riesige, zerklüftete Gegend. Ein grosser Stausee hat eine künstliche Landschaft aus vielen Inseln und Halbinseln geformt. Die Gegend um Guatapé ist ein grossartiges Feriendomizil für die lärm- und stressgeplagten Einwohner der Millionenstadt Medellin. Ein grosses Paradies für viele Wassersportarten mit entsprechender Infrastruktur. Nach unserem Segeltörn haben wir aber kein Bedürfnis uns auf dem Wasser auszutoben. Die Hauptattraktion ist der „Minizuckerhut“ Piedra del Peñol. Ein ca. 200 m hoher Granit-Monolith in der Nähe vom kleinen Städtchen Guatapé. Wir übernachten auf dem grossen Parkplatz und geniessen einen traumhaften Ausblick auf die Seenlandschaft. Rund um den El Peñol hat der Stausee eine gewaltige Modell-Landschaft geformt, die bei Sonnenuntergang besonders hübsch zur Geltung kommt. Der Monolith ist mit einer Treppe, die in einem schmalen Fels-Einschnitt den Weg nach oben sucht, zu besteigen. Hat man die 680 Stufen bewältigt, kann man noch den Backsteinturm besteigen, der ein 360 Grad Panorama garantiert.
Mit Alfred geniessen wir das sehr schöne Landschaftsbild und blicken auf unsere Fahrzeuge, die wie kleine Spielzeuge auf dem Parkplatz stehen. Am nächsten Tag besuchen wir das kleine Städtchen Guatapé. Berühmt sind die bemalten Häuser. Wir bummeln durch die farbigen Gassen und bestaunen die zahlreichen Häusersockel-Verzierungen. Kunstvoll gestaltete Reliefs schmücken die untere Partie der Häuserfronten. Fast jedes Haus ein kleines Bijou! Am Seeufer entlang reihen sich Restaurants und Souvenirläden. Wer nach mehr Action sucht, nimmt die „cable vuelo“, eine 600 m lange Fahrt, wo man angegurtet mit 90 km/h über den See hinweg donnert.
Salento - Valle de Cocora
Die meisten grossen Sehenswürdigkeiten findet man südlich von Medellin verteilt bis zur Grenze nach Ecuador. Die drei grossen Anden-Cordilleras, Occidental, Central und Oriental, haben einen wichtigen Einfluss auf die Routenwahl. Die Querung eines Gebirgszuges kann recht aufwändig und mühsam sein. Die Naturstrassen mit vielen Baustellen, Schlaglöchern zwingen zur mässigen Fahrt. Südlich von Pereira suchen wir den kleinen Ort Salento auf. Etwa 11 km  östlich vom Ort besuchen wir im Flusstal des Rios Quindio die sehr schöne Gegend vom Valle de Cocora.  Der kleine Weiler hat ein paar Häuser, Restaurants und schöne Wiesen zum Campen. So sind hier übers Wochenende mehrere Zelte aufgestellt und die Besucher geniessen ein verlängertes Wochenende. So erhalten wir einen kleinen Einblick in das Camperleben der Kolumbianer. Ausser einem Igluzelt, Schlafsack und der Holzfeuerstelle brauchen die Einheimischen wenig. Campingtisch und Stühle, Sonnenschirme und anderes Zubehör fehlen gänzlich. WC und kalte Duschen genügen. Abends wird es kühl, wir sind auf ca. 2400 m Höhe.  Beidseits der Talseiten weiden Kühe in saftig grünen Matten. Besonderes Augenmerk verdienen die bis zu 60 m hohen palmas de cera, (Wachspalmen) die für uns etwas Exotisch in der Landschaft stehen. Ein Naturschauspiel besonderer Art, besonders wenn der dichte Nebel entlang der Talseiten aufsteigt und sich die Palmen mit grau-weissem Hintergrund zeigen. Erst als die Sonne das ganze Tal beleuchtet, erstrahlen die hohen Palmen im blauen Hintergrund. Wir wandern auf einer Bergstrasse und entdecken Blüten, Vögel und Schmetterlinge in reicher Zahl. Der von Farnen, Bromelien und Flechten überzogene Wald bringt uns Richtung Naturreservat Acaime auf 2900 m Höhe. Fünf Stunden später sind wir zurück und geniessen das Valle de Cocora vom Camper aus. Ein Ort zum Verweilen und Ferien machen in mitten einer sehr schönen Landschaft.